Bleib dann mal weg… – das Bamblog hört auf

Ich hatte es ja schon vor einige Zeit angekündigt: Mein bevorstehender jobbedingter Umzug von Bamberg nach Hamburg bringt auch das Ende des Bamblogs as you know it mit sich. Diese Seite wird mit all ihren Einträgen und Unterseiten erhalten bleiben, um die ganzen Verweise im Netz und in gedruckten Aufsätzen etc. nicht ungültig werden zu lassen, doch ich habe alle Kommentare geschlossen und werde keine neuen Beiträge mehr veröffentlichen.

Das bedeutet nun nicht, dass ich komplett zu bloggen aufhöre, ganz im Gegenteil. Ich habe anfangs tatsächlich auch ein wenig geschwankt, ob ich die etablierte “Marke” (incl. dem hohen Pagerank und der Technorati-Authority.. ;-) ) wirklich aufgeben soll, aber letztlich will ich den Wechsel in Job und Wohnort auch in meiner virtuellen Heimstätte sichtbar machen – dazu gehört nun mal, die lokalen Bezüge im Titel und der URL zu streichen. Und da ich ja nicht sicher sein kann, ob ich nun für den Rest meines Lebens in Hamburg bleiben werde (was ist schon sicher heutzutage?), enthält das neue Blog auch keine direkten Anspielungen auf Hamburg – abgesehen davon: “Hamblog” und “Hamburg Gewinnt” sind schon weg… ;-) . Stattdessen reaktiviere ich die URL, unter der ich im März 2004 zu bloggen begann – deswegen die Bitte an meine geneigte Leserschaft: Aktualisiert Eure Feedreader [1], Bookmarks, Favoriten, Blogrolls und alles was dazu gehört – die neue Adresse ist:

http://www.schmidtmitdete.de.

Und um gleich einen Eindruck zu geben, welche Themen zu erwarten sind: Die ersten Einträge habe ich live von der “Internet Research 8.8: Let’s Play”-Konferenz geschrieben, aber es gibt auch einen längeren Text darüber, wie ich in den Bergen von Washington State die Ex-Verlobte von Marc Andreesen kennen gelernt habe. In den nächsten Tagen steht u.a. Liveblogging vom SPD-Parteitag an – ich bin Delegierter für den Bezirk Oberfranken und werde morgen (Freitag) mittag anreisen. Ausserdem will ich noch meine Eindrücke aus den zweieinhalb Wochen Kanada inkl. der AOIR-Konferenz zusammenfassen. Und ganz sicher werde ich aus meinem neuen Leben in Hamburg berichten, von neuem Job, neuer Stadt, neuem Leben. Deswegen

Adé Bamblog – moin moin Schmidt mit Dete

 

Veröffentlicht unter Meta-Blogging | Kommentare deaktiviert

Bin dann mal weg

Gerade habe ich die letzte Verpflichtung weggeschickt, einen Aufsatz zu Blogs für einen italienischen Sammelband über computervermittelte Kommunikation – nun kann der Urlaub kommen. Morgen bzw. nachher breche ich für knapp zweieinhalb Wochen nach Kanada auf: Erst etwa 10 Tage mit dem Mietwagen an der pazifischen Küste rund um Vancouver herumfahren und die Seele baumeln lassen, dann vier Tage bei der “Internet Research 8.0: Let’s play” verbringen. Hurra! Ich werde sicherlich zwischendurch das eine oder andere Mal online sein, bitte aber vorweg bereits um Verständnis, wenn ich Mails erst wieder Ende Oktober beantworte. :)

Veröffentlicht unter Nach der Arbeit | 5 Kommentare

Ich bin baff…

Heute nachmittag um 14 Uhr ist die Nutzerbefragung beim BILDblog gestartet, die ich mit meinen Bamberger Kollegen durchführe. Angesichts von täglich etwa 50.000 Zugriffen auf das BILDblog hatten wir schon vermutet, dass wir recht viele Antworten bekommen, doch das bisherige Interesse übertrifft all unsere Erwartungen: Jetzt gerade (23.00 Uhr, also genau neun Stunden nach Start der Befragung) haben wir etwa 5.500 vollständig ausgefüllte Fragebögen…. zum Vergleich: Bei der “Wie ich blogge?!”-Umfrage hatten wir auch in etwa so viele Fälle – aber nach einem Monat Laufzeit!

Veröffentlicht unter Akademisches, Meta-Blogging | 3 Kommentare

Free Burma


Free Burma!

Der heutige Donnerstag ist der “Free Burma“-Tag – eine Aktion, die in der Blogosphäre angestossen wurde, um die Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse in Burma zu lenken und Solidarität mit den Freiheitsdemonstrationen zu erklären. Die Webseite der Kampagne hält weitere Links bereit, zum Beispiel zu Weblogs und Kampagnen-Seiten, die sich mit der Lage in Burma befassen. Über das folgende Formular (Layout leider etwas zerschossen) kann man sich auf die Liste von Unterstützern setzen lassen.

Free Burma! Petition Widget
Name: (required) Email:

Web:

Country:

Wer darüber hinaus mithelfen will: Hier gibt es Tipps.

Veröffentlicht unter Politik | 1 Kommentar

Vorratsdatenspeicherung und Wissenschaft

Über die GIR-L-Mailing-Liste kam heute der Hinweis auf einen interessanten Text von Rainer Böhme und Andreas Pfitzmann in “Forschung & Lehre” (10/2007): Datenspuren beim Forschungskontakt. Wie die Vorratsdatenspeicherung empirische Sozialforschung verändern könnte. (Link zum Artikel).

Die dort genannten Vorbehalte gegen die Vorratsdatenspeicherung sind (wie die Autoren selbst anmerken) möglicherweise nachrangig gegenüber allgemeinen bürger- und freiheitsrechtlichen Bedenken, zeigen aber auch ganz anschaulich, wie weitreichend die Folgen der geplanten Gesetzesänderung sind. Aus dem Fazit:

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Einführung der Vorratsdatenspeicherung Sozialforschung insbesondere in sensiblenBereichen erschweren würde, weil sie (a) methodischen und technischen Zusatzaufwand zur Sicherstellung der Anonymität von Studienteilnehmern notwendig macht, (b) die generelle Teilnahme- und Auskunftsbereitschaft bei wissenschaftlichen Untersuchungen durch Überwachungsängste senkt sowie (c) Wissenschaftler davon abhalten könnte, in bestimmten Bereichen empirisch zu forschen.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie hat sich bereits gegen die Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen (siehe das aktuelle Rundschreiben, Punkt 7) und sich der “Gemeinsamen Erklärung zum Gesetzentwurf über die Vorratsdatenspeicherung” angeschlossen. Ich habe gerade per Mail an die beiden Fachgesellschaften, in denen ich Mitglied bin (Deutsche Gesellschaft für Onlineforschung sowie Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft) darauf hingewiesen und angeregt, sich dieser Erklärung ebenfalls anzuschließen. Vielleicht bin ich ja nicht der einzige?

Veröffentlicht unter Akademisches, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Raus aus den Blogcharts

In der neuesten Ausgabe der Deutschen Blogcharts bin ich nicht mehr in den Top 100 – zur Zeit verliere ich die ganzen Links, die ich vor etwa 6 Monaten im Zuge der Qype-Abmahnung bekommen hatte. Kein großes Problem – ich werde eh im Zuge des Job- und Ortswechsels mein Blog mit neuer Domain relaunchen, dann kann ich von vorne anfangen, Verlinkungen zu sammeln.. :)

Veröffentlicht unter Meta-Blogging | Hinterlasse einen Kommentar

Neu bei k@g: Überwachung und Sicherheit

Ralf Bendrath von der Uni Bremen, der u.a. auch für netzpolitik.org schreibt, hat einen Beitrag für das Online-Journal kommunikation@gesellschaft verfasst:

Bendrath, Ralf (2007): Der „gläserne Bürger“ und der vorsorgliche Staat. Zum Verhältnis von Überwachung und Sicherheit in der Informationsgesellschaft. In: kommunikation@gesellschaft, Jg. 8, Beitrag 7. Online-Publikation: http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B7_2007_Bendrath.pdf

Hier die Zusammenfassung:

Das Sicherheitsparadigma des Präventionsstaates im „Kampf gegen den Terror“ unterscheidet sich in zweierlei Hinsicht von dem des Gefahrenabwehrstaates im Kalten Krieg. In zeitlicher Hinsicht geht es nicht mehr um die Abwehr gegenwärtiger Bedrohungen, sondern  um die Vorbeugung zukünftiger Risiken. Auf der Akteursebene sind die Träger dieser Risiken nicht mehr Staaten, sondern Individuen. Damit gelten nun alle als potenziell verdächtig. Hier spielt der Computer eine entscheidende Rolle, indem er die alten Überwachungstechniken des Aufzeichnens und Verbreitens von Informationen durch die Möglichkeit des automatischen Entscheidens ergänzt. Aus „Überwachen und Strafen“ wird damit „Überwachen und Sortieren“, aus individuellen Bewertungen wird massenhafte digitale Diskriminierung auf der Basis von vernetzten Datenbanken und in Algorithmen gegossenen Vorurteilen. Mit diesem Verfahren sind jenseits juristischer und politischer Schwierigkeiten drei strukturelle Probleme verbunden: das Problem der Modellbildung, das Problem der Probabilistik und das Problem der Definitionsmacht. Dennoch scheint der Trend zum weiteren Ausbau der Überwachungsinfrastrukturen nicht aufzuhören. Mögliche Erklärungen, aber auch Hinweise auf weiteren Forschungsbedarf, liefern dafür jeweils auf unterschiedlichen Ebenen die Gesellschaftsdiagnose, die Techniksoziologie und die politische Ökonomie. In normativer Hinsicht geht es hier letztlich auch um die Sicherheitsvorsorge der Bürger gegenüber dem Staat und damit um die Frage: Wie können wir unsere technischen Infrastrukturen so aufbauen, dass unfähige und unredliche Machthaber damit keinen großen Schaden anrichten können?

Veröffentlicht unter Akademisches, Das neue Netz | Hinterlasse einen Kommentar

Dorffest in Uengershausen

Bevor es mich demnächst erst in die große weite Welt (Kanada) bzw. die große Stadt im Norden (Hamburg) verschlägt, habe ich am vergangenen Wochenende noch einmal das komplette Kontrastprogramm genossen: In Uengershausen (Landkreis Würzburg) war Dorffest.

Dazu muss man sagen, dass ich die ersten 13 Jahre meines Lebens in ebendiesem Uengershausen verbracht habe; es war schon ein merkwürdiges Gefühl, mal wieder durch die ganzen Sträßchen zu laufen, die in meiner Erinnerung alle viel größer, länger, steiler sind. Meine Familie hat noch einige sehr enge Freunde dort, und natürlich haben meine Eltern und ich den Tag über auch jede Menge Menschen getroffen, die uns noch von früher kannten: Aus dem Sportverein, als Nachbarn oder als Kindergartenkumpanen. Ich habe noch nie so oft den Satz gehört wie am Sonntag: “Ach Goddla, der Jahn, des ledsde Mal warsd fei noch so…” (und dann die Hand ca. 1.20 über den Boden halten).. :-)

Das Schönste an dem Tag war aber eigentlich mit zu bekommen, wie unglaublich vielfältig und engagiert das Dorfleben in Uengershausen so ist. Buchstäblich bei jedem dritten Haus  gab es etwas zu sehen: Einblicke in Karnickelzucht, selbstgemachten Honig, Skulpturen eines Hobby-Bildhauers, die örtliche Blaskapelle, eine mobile Cocktailbar, Torwandschießen, selbstgemachte Bio-Kartoffelsuppe, ein Reiterhof mit Indianer-Spielplatz, den Dorfschmied, und und und. Wir reden hier von einem Dorf mit etwa 600 Einwohnern (würde ich mal tippen, so genau weiß ich das gar nicht mehr), das komplett auf den Beinen war; hinzu kamen wegen des schönen Wetters nochmal unzählige Besucher (Tausende?) aus der Umgebung – wirklich toll!

PS: Angestossen hatte dieses Fest übrigens die örtliche Agenda-21-Gruppe, die sich schon seit Jahren um die Dorfentwicklung kümmert – und eine ambitionierte eigene Homepage hat, sogar mit (wenn auch etwas umständlich zu bedienenden) Videocasts.

Dorffest Uengershausen 

Einer von noch drei (?) Viehhöfen

Dorffest Uengershausen 

Im Hintergrund die mobile Cocktailbar

Dorffest Uengershausen 

Kurz vor Start des Offroad-Rennens  

Veröffentlicht unter Lokales, Nach der Arbeit | 2 Kommentare

Burmaday

Ein schönes Beispiel, wie mit Hilfe von Blogs kurzfristig Unterstützung mobilisiert werden kann, findet sich bei Robert Basic: Über das Blog und Wiki wird ein “Burmaday” für den 4. Oktober organisiert.

Veröffentlicht unter Das neue Netz, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Bei den Jugendmedientagen

Das Hotel Michaelis in Leipzig geht mit der Zeit: Der Hotelfernseher hat keinen Videotext, dafür gibt es aber freies Netz (incl. LAN-Kabel!) auf den Zimmern. Sehr fein – so komme ich nicht nur zu meinen Fussball-Ergebnissen, sondern kann auch gleich meine Eindrücke von den Jugendmedientagen bloggen…

Auftakt war für mich gestern die Podiumsdiskussion “Medien 2.0 – Schöne neue Welt”, an der u.a. Christoph Amend (ZEIT Leben) und Reiner Meyer aka Don Alphonso teilnahmen. Eine schöne Zusammenfassung liefert politikorange.de; ergänzend zu den Gesprächen auf dem Podium war eine Chatwall eingerichtet, auf die das Publikum per SMS Fragen oder Bemerkungen senden konnte (ähnlich wie auch bei der re:publica), was den Diskussionen eine ganz eigene Dynamik gab. Running Gag waren dort die Chuck-Norris-Weisheiten; sehr schön fand ich den Spruch “Chuck Alphonso gruschelt nicht, Chuck Alphonso lässt gruscheln.” :)

Der heutige Freitag wurde durch eine Diskussionsrunde zu “Leben 2.0 – Social Networking und Datenschutz” eingeläutet, an der Daniel Bischoff (trendOne), Oliver Skopec (schuelerVZ), Christian Clawien (Mister Wong), Constanze Kurz (CCC) und Christian Stöcker (SpON). So bunt wie die Runde waren auch die Gesprächsthemen: Von den Vor- und Nachteilen anonymer vs. realer Profile auf Networkingplattformen war ebenso die Rede wie von Datenschutzproblemen bei studiVZ (Constanze Kurz bemerkte dazu nur sinngemäß: “Ihr braucht keinen Datenschutz-, ihr braucht erstmal einen Datensicherheitsbeauftragten”); über die Möglichkeiten des Data-Mining und der personalisierten Werbung (Christian Stöcker sinngemäß: “Die Rabattkarte für den Supermarkt ist mindestens genauso gefährlich wie das StudiVZ-Profil.”) wurde genauso diskutiert wie über Bundestrojaner und Vorratsdatenspeicherung. Eine sehr wichtige Debatte, gerade angesichts des Publikums: Lauter engagierte junge Leute – das Durchschnittsalter der insgesamt 500 Teilnehmer/innen beträgt laut Organisatoren 18.5 Jahre – die bei Schüler- und Studentenzeitungen, bei Internetprojekten oder alternativen Radiostationen arbeiten. Wo, wenn nicht hier, sollte über die Veränderungen von Öffentlichkeiten und Privatsphäre diskutiert werden?

Abends diskutierten zum Thema “Grenzenlos 2.0″ Farhad Payar (Deutsche Welle), Karolin Sengebusch (Eurient), Markus Beckedahl (netzpolitik.org) und Andreas Franz (MDR) – auch das eine sehr spannende Runde, in der es zunächst um die Potenziale des Internets ging, Gegenöffentlichkeiten zu schaffen und auch über Ländergrenzen hinweg politische Unterstützung zu mobilisieren. Später schwenkte auch diese Diskussion zumindest für eine Weile auf Themen wie Vorratsdatenspeicherung und Bundetrojaner um; Markus Beckedahl fasste dies prägnant zusammen: “Das Internet kann beides sein – Instrument für freie Meinungsäußerung UND Werkzeug der staatlichen Überwachung.” Auch hier hat mich die lebhafte Diskussion mit dem Publikum (per Mikro und per Chatwall) sehr begeistert; es klingt pathetisch und altersweise, aber es ist meines Erachtens tatsächlich ungeheuer wichtig, dass junge (wie ältere) Leute die “Werkzeughaftigkeit” des Internet erkennen und sehen, dass es für ganz unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden kann, weswegen gerade im Umgang mit persönlichen Daten besondere Vorsicht geboten ist.

Zwischen den Panel-Diskussionen hatte ich zwei Stunden Zeit, um etwas über “Web 2.0 für Medienmacher (nicht nur für junge)” zu erzählen – ich war dazu vom UVK-Verlag eingeladen worden, der als Sponsor der Jugendmedientage ein eigenes Veranstaltungsangebot machen konnte. Die ursprüngliche Idee (eine Lesung aus meinem Weblogs-Buch) hatten wir ganz ganz schnell verworfen, weil das wirklich nicht in den Rahmen gepasst hätte – und ich mir selten doof vorkäme, wenn ich aus einem wissenschaftlichen Buch vorlesen würde.. :) . Vorbereitet hatte ich letztlich eine Präsentation, in der ich Grundlagen des Web 2.0 vorstelle und dann anhand einer Reihe von Anwendungen und Praxisbeispiele zeige, welche Möglichkeiten für das netzbasierte Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement bestehen. Das Publikum, ca. 30 Personen und meiner Einschätzung nach im Durchschnitt auch etwa 18, 19 Jahre alt, konnte mit dem Begriff “Web 2.0″ nicht viel anfangen, doch eine kurze Abfrage zu Beginn erbrachte: Viele nutzen Wikipedia, wenn auch nur passiv, etwa eine Handvoll hat schon einmal einen Artikel dort editiert und genausoviele haben ein eigenes Blog [1]. Als ich dann aber nach der Nutzung von schülerVZ/studiVZ gefragt habe, gingen fast alle Arme nach oben…

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Erläuterungen und Praxisbeispiele halbwegs an die Erfahrungen der Zuhörer anknüpften (und vermutlich habe ich zu viel geredet…); es war auf jeden Fall recht spannend, mal live in digg.com hineinzuschauen und zu demonstrieren, wie die “Weisheit der Masse” in Echtzeit Stories bewertet; oder bei blogpulse.com zu zeigen, wie unterschiedliche Themen im Verhältnis zueinander in den Blogs auftauchen. Unser Beispiel waren zunächst die Stichworte “Bundestrojaner” und “Vorratsdatenspeicherung” – als wir dann “Tokio Hotel” mit aufnahmen, kam folgendes dabei heraus:

Der MDAX stand auch schon mal besser

Ausserdem ging es noch um das Designen von myspace-Seiten, del.icio.us, Mister Wong und TiddlyWiki – wie gesagt, ich kann ganz schlecht einschätzen, ob ich jetzt zu viel Infos reingepackt habe oder nicht. Aber völlig unabhängig von meinem Vortrag glaube ich, dass die Teilnehmer der Jugendmedientage von den insgesamt drei Tagen ungemein viele Eindrücke mitnehmen werden. Die ganze Veranstaltung scheint mir irgendwo zwischen Klassenfahrt, Turboseminar und Pressekonferenz angesiedelt zu sein. Überall liefen Leute mit Aufnahmegeräten, Fotoapparaten und Videokameras herum, die Beiträge für politikorange [eine Art Liveticker] und unzählige andere Medien produzierten; in den Workshops gibt es (soweit ich das von außen beurteilen kann) einzigartige Einblicke in die journalistische Praxis, und abends finden Poetry Slams oder Filmpremieren statt. Ich habe ja früher auch Schülerzeitung gemacht; wenn es so etwas wie die Jugendmedientage damals (oh mein Gott, bin ich alt) schon gegeben hätte, wäre ich sofort hingefahren.. :)

[1] Wobei mir hinterher auffiel, dass ich besser ganz konkret nach Blogs vs. mySpace, LiveJournal, etc. gefragt hätte – ich habe das dumpfe Gefühl, das gerade für Teenager Weblogs eine fremde Welt sind, aber Journale auf Plattformen wie myspace oder livejournal durchaus genutzt werden.

Veröffentlicht unter Das neue Netz, Konferenzen | 2 Kommentare

Myanmar und das neue Netz

Das war ein interessanter Moment gerade: Ich habe einige Webseiten zu den Ereignissen in Myanmar bei del.icio.us gespeichert, die ich bei meinem Jugendmedientage-Workshop in Leipzig zeigen will. Währenddessen lief im ARD Nachtmagazin ein Interview mit einem Südostasien-Experten zu den Vorgängen, der explizit die Blogger als Quelle für Nachrichten nannte. Dazu passt, das u.a. SpON und die Times (auf Yahoo) Artikel bringen, die stark auf Graswurzelquellen vor Ort zurückgreifen. Besser kann man das Zusammenwachsen von massenmedialen und bürgerjournalistischen Öffentlichkeiten wohl nicht illustrieren; mal sehen, wie die jungen Journalist/innen in Leipzig darüber denken.

Davon abgesehen: Ich hoffe sehr, dass die Situation in Myanmar nicht weiter eskaliert, und ich bin fasziniert davon, wie Blogs, Flickr, Youtube und andere Dienste dazu beitragen, eine globale Öffentlichkeit zu schaffen, die Einschränkungen der Meinungsfreiheit vor Ort umgehen und Resonanz hierzulande erzeugen kann – dazu passt auch der Hinweis von Robert Basic, der auf dortige Blogs verlinkt und meint: “Ich ziehe meinen Hut und ganz großer Respekt! Mich bringt niemand in den Knast, wenn ich was gegen die Regierung sage oder lässt mich gar über die Klinge springen. Und ganz ehrlich, ich wüsste nicht, ob ich soviel Mut und Zivilcourage aufbringen würde.

Veröffentlicht unter Das neue Netz, Meta-Blogging | 2 Kommentare

Das neue Netz? Das neue Netz!

[Der Beitrag erscheint parallel im Workshop-Blog, wo auch die Präsentationen aus den einzelnen Slots abgerufen werden können.]

Nach einer wohlverdienten Ruhepause am Sonntag haben Florian und ich uns heute an die Nachorganisation unseres Workshops gemacht, mit so profanen Tätigkeiten wie

  • die Bücher vom Büchertisch zurück zur Buchhandlung bringen – interessanterweise wurde kein einziges Printexemplar verkauft;
  • das WLAN-Equipment zurück zum Rechenzentrum bringen und eine Packung Merci dazulegen, weil alles so gut funktioniert hat;
  • die Kasse aufmachen und beim Anblick der vielen Quittungen entscheiden, das erst morgen in Angriff zu nehmen…

Eine besonders schöne Aufgabe der Nachorganisation ist der Dank danach. Und zu danken haben wir wirklich: Der Workshop verlief aus unserer Sicht in sehr angenehmer, produktiver Atmosphäre und hat inzwischen schon eine ganze Reihe von Reaktionen nach sich gezogen. Für den reibungslosen Ablauf waren vor allem unsere studentischen Mitarbeiter zuständig, die – in modisch schicken T-Shirts – hinter und vor den Kulissen sehr fleißig gewerkelt haben: Antonia Michael, Nadine Knüpfer, Tom Binder, Oda Riehmer und Martin Wilbers – ganz herzlichen Dank an Euch!

Aber selbst wenn die Rahmenbedingungen passen: Zu einem gelungenen Workshop gehören auch diskussionsfreudige und offene Teilnehmer/innen, und die waren auf jeden Fall anwesend! In der abschließenden Diskussion am Samstag hoben einige besonders den Zeitplan hervor, bei dem sich Plenarvorträge und offene Diskussionsphasen abwechselten. Dieses Format können wir für ähnliche Veranstaltungen nur weiter empfehlen, weil sie eine ganz eigene Art von Gesprächen fördern, die man in der Plenarsituation nicht erreichen kann. Einzig unser Angebot, auf Metaplanwänden die Ergebnisse dieser Diskussionen festzuhalten, wurde nur vereinzelt angenommen; bei einer zukünftigen Veranstaltung müssten wir überlegen, wie/ob wir dies anders lösen können.

Was uns eigentlich erst im Nachhinein bewusst wurde: Der Workshoptitel “Das neue Netz?” war ja bewusst mit Fragezeichen versehen, weil es eben keinen grundsätzlichen Bruch in der Technik oder den Praktiken gibt. Darauf hätten wir auch schon früher kommen können, wie folgendes Foto vom get together beweist:

dnn 1533
Web 2.0 schon 474 Jahre alt?

“Das neue Netz” lässt sich aber auch anders interpretieren, nämlich auf die Vernetzung der Teilnehmer/innen untereinander bezogen. Wir haben im Lauf der Tage alle Personen gebeten, auf einer Metaplan-Wand die Verbindungen zwischen sich und den übrigen Teilnehmer/innen aufzuzeichnen. Das Kriterium war: Welche Person habe ich vor dem Workshop schon mal ‘im echten Leben, also offline getroffen? Das ergab folgendes schönes Netzwerk – einmal in der Rohfassung, einmal in der schnieken Visualisierung von Tom:

Das neue Netz
Warum eigentlich Nagelnetzwerk? Waren doch gar keine Nägel…
Das neue Netz
Klicken vergrößert

[Wir haben die Namen anonymisiert, aber es zeigt sich ein dichter "Bamberg-Cluster" im Zentrum.. :) ]

Das Netzwerk nach dem Workshop zeigt nun Verbindungen zwischen allen Knoten. Insofern haben wir also tatsächlich ein neues Netz geschaffen – mal sehen, was in Zukunft noch davon zu erwarten ist. Immerhin war ausnahmslos schlaue Menschen anwesend, die sich in ganz unterschiedlichen Positionen und aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Veränderungen im Internet beschäftigen. Herzlichen Dank dafür, dass Ihr alle in Bamberg wart!

Veröffentlicht unter Akademisches, Das neue Netz, Konferenzen, Networking-Projekt | 4 Kommentare

Der neue Job

Nachdem ich am Freitag in meinem Workshop-Vortrag bereits die neuen Koordinaten auf der letzten Folie hatte und es auch schon einer ganzen Reihe von Leuten erzählt habe, hier nun also auch offiziell auf dem Blog-Weg:

Ich fange am 15.11. als Senior Researcher für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation am Hans-Bredow-Institut in Hamburg an. Nach knapp 14 Jahren werde ich also Bamberg verlassen – dass das mit einem weinenden Auge geschieht, brauche ich vermutlich niemandem erzählen. Ich hatte unglaubliches Glück, nach dem Studium und der Promotion noch einmal drei Jahre an der Forschungsstelle “Neue Kommunikationsmedien” in sehr angenehmer, produktiver Umgebung Post-Doc-Forschung betreiben zu können. Das Reizvolle an der Stelle am HBI ist, dass ich diese Arbeit fortsetzen kann und soll. Hamburg bietet (gerade im Vergleich zu Bamberg.. :) ) eine deutlich größere Szene von Entwicklern, Forschern und Unternehmen aus dem Bereich des Social Web und dem Medienbereich im Allgemeinen, was zukünftige Forschungs- und Transferprojekte sicher erleichtert. Gleichzeitig kann ich aber auch neue Schwerpunkte und Interessen einbringen; unter “digitale interaktive Medien” fallen ja bspw. auch Videospiele incl. MMROPGs, und der zweite Stellenschwerpunkt auf politischer Kommunikation wird angesichts kommender Landtags- und Bundestagswahlen sicher auch zu dem einen oder anderen Projekt führen. Was mir zudem gefällt: Die Institutsarbeit ist stark von Interdisziplinarität geprägt, wodurch sich ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Zum Beispiel würde ich gerne mal mit Juristen zum Thema “Regulierung des Code – Regulierung durch Code” arbeiten; ausserdem sind u.a. Medienökonomen und Medienpsychologen am Institut tätig, mit denen sich sicher auch viele spannende Fragestellungen bearbeiten lassen.

Zu diesen wirklich vielversprechenden Rahmenbedingungen des neuen Jobs kommt noch dazu, dass ich Hamburg in den letzten Jahren tatsächlich immer als erste Wahl angesehen hatte, falls ich Bamberg verlassen sollte (gefolgt von Wien und Berlin, btw). Das liegt nicht nur (aber auch) am HSV, sondern genauso an Verwandtschaft und guten Freunden, die dort leben. Dass also in knapp Wochen eine tolle Stelle und eine tolle Stadt auf mich warten, ist fantastisch…. :)

PS: Ja, dieser berufliche Wechsel heißt auch, dass sich am Bamblog etwas ändern wird. Ich bin noch nicht 100%ig sicher, werde aber vermutlich mit einer neuen URL weitermachen (Nein, nicht Hamblog.. :) ) und wohl auch am Design ein wenig basteln. Die bisherigen Inhalte werde ich aber auf jeden Fall unter den bisherigen URLs weiter als Archiv zugänglich lassen, da in den letzten Jahren doch eine Vielzahl von Verlinkungen bzw. Zitierungen angefallen sind.

Veröffentlicht unter Meta-Blogging, Nach der Arbeit | 19 Kommentare

Workshop gestartet

Nur kurz, da gleich das gemeinsame Abendessen auf dem Programm steht: Unser Workshop “Das neue Netz?” lief heute in einer sehr angenehmen, produktiven und diskussionsfreudigen Atmosphäre ab. Und weil es auch keine gravierenden organisatorische oder technischen Probleme gab, sind wir sehr zufrieden. Unterlagen zu den einzelnen Vorträgen und aus den Diskussionen werden kontinuierlich im Workshop-Blog und -Wiki gesammelt – vorbeischauen lohnt sich.

Veröffentlicht unter Das neue Netz, Konferenzen | Hinterlasse einen Kommentar

Qype-Microfeed: Veränderungen sichtbar machen

Eigentlich habe ich ja keine Zeit, weil ich mich um die Vorbereitung unseres Workshops “Das neue Netz?” kümmern sollte. Aber zumindest kurz will ich auf eine interessante Sache hinweisen:

Qype hat vor einigen Tagen den “Qype Minifeed” eingeführt, der registrierten Nutzern einen Überblick bietet, was sich im eigenen Netzwerk so tut: Neue Beiträge, Fotos, Bewertungen oder Listen, die die die eigenen Kontakte erstellen, werden angezeigt, wobei sich die Inhalte des Feeds konfigurieren lassen. Qype geht damit ein Problem an, das eigentlich alle Social-Software-Plattformen haben: Wie kann ich als Nutzer über Aktualisierungen bzw. Veränderungen auf dem Laufenden bleiben? Das kann plattformweit geschehen, wie es z.B. Blog-Plattformen wie twoday.net mit der Anzeige der neuesten Beiträge oder Xing mit der Anzeige neuer Mitglieder auf der Startseite lösen. Ab einer bestimmten Größe reicht dies jedoch nicht mehr aus, da für mich Veränderungen im eigenen Netzwerk relevanter sind. Insofern halte ich den Schritt von Qype auch für richtig, hierfür Sichtbarkeit zu erzeugen.

qype minifeed

Konfiguration des Qype Mini-Feed

Gleichzeitig macht dieser Schritt aber auch deutlich, wie sehr sich Veränderungen im Code einer Anwendung auf die darauf aufbauenden Nutzungspraktiken auswirken können. danah boyd hat vor etwa einem Jahr einen lesenswerten Beitrag veröffentlicht, als Facebook den “news feed” gestartet hatte. Sie nannte es damals “privacy trainwreck” und wies auf den Unterschied zwischen “public” vs. “accessible” hin: All die Informationen über geänderte Kontaktinformationen, neue Kontakte oder neue Einträge auf den “Walls” meiner Kontakte waren selbstverständlich vorher auch schon “public”, da ich sie ja auf deren Profilen jeweils einsehen konnte. Durch einen Feed werden sie aber für mich “accessible” (das würde ich in diesem Zusammenhang mit “sichtbar” übersetzen), ich werde quasi mit der Nase darauf gestossen, ob ich will oder nicht.

Sehr interessant sind daher die Reaktionen der Qype-Nutzer, die im zugehörigen Blog-Eintrag geäußert werden. Ich habe jetzt nicht systematisch durchgezählt, aber Lob und Kritik scheinen sich die Waage zu halten, evtl. mit einer Mehrheit auf Seiten der Kritiker. Letztere äußern – neben einem generellen Gefühl der Überladenheit bzw. des Informationsüberflusses – auch Verbesserungsvorschläge, bspw. eine stärkere optische Trennung der verschiedenen Kategorien oder ein “to do”-Marker, mit dem man z.B. erledigte Kontaktanfragen verschwinden lassen könnte. Bedenkenswert finde ich folgendes: Die Konfigurierbarkeit setzt im Moment beim Nutzer als Empfänger an: Ich wähle, was ich sehen will und was nicht. Wichtig wäre aber auch eine Konfigurierbarkeit beim Nutzer als Sender: Ich wähle, welche meiner Aktionen bei meinen Kontakten angezeigt werden. Facebook bietet z.B. diese Option an, Qype sollte zumindest auch mal darüber nachdenken.

facebook minifeed

Konfiguration des Facebook Mini-Feed

Veröffentlicht unter Das neue Netz, Networking-Projekt, Softwareentwicklung | 10 Kommentare