Achtung - das Bamblog wird seit Mitte Oktober 2007 nicht mehr aktualisiert. Bitte besuchen Sie mein neues Weblog unter http://www.schmidtmitdete.de. Danke! - Please note that this blog is no longer active. You can find my new blog at http://www.schmidtmitdete.de. Thanks for visiting!
Die letzten zwei Wochen habe ich über einige Konsequenzen nachgedacht, die die vernetzte Struktur von Weblogs für die Ankündigung von Online-Befragungen hat. Áuslöser war zum einen der MIT Weblog Survey von Cameron Marlow, dem ich auch das schöne Icon "I made some science" in der linken Seitenleiste verdanke, sowie die Umfrage zu Weblogs im Bundestagswahlkampf, die meine Bamberger Kollegen Sandra Huber und Roland Abold im Juni 2005 durchgeführt haben. Vor einigen Tagen schickte mir Roland ein Paper mit ersten Ergebnissen der Befragung, die er in der nächsten Woche auch online zur Verfügung stellen wird. Ausserdem überließ er mir einige Daten der Studie, die ich re-analysieren konnte. Das Ergebnis sind einige methodische Überlegungen, die ich an diesem Punkt gerne öffentlich machen möchte, um feedback und weitere Ideen zu erhalten. Ich fürchte, sie sind wieder etwas soziologisch geraten, aber hoffentlich dennoch verständlich. Irgendwann schreibe ich auch mal was über die Unterschiede zwischen Blog-Sprache und akademischer Sprache, denn der Konflikt zwischen Authentizität und Objektivität zieht sich auch durch meine Blog-Versuche hier…
Den gesamten Text (sieben Seiten) gibt es auch als pdf-Datei, hier nur die wichtigsten Punkte: Ich vergleiche das Diffusionsmuster von Umfrage-Ankündigungen per E-Mail und per Weblog. Dazu präsentiere ich tabellarisch und grafisch einige Daten (siehe unten für eine Beispielgrafik) und komme dabei zu diesen Schlußfolgerungen:
- Weblogs haben aufgrund ihrer hochgradigen Vernetzung das Potenzial, online-basierte Umfragen bei großen Teilnehmergruppen bekannt zu machen. Die MIT-Studie erreichte über 56.000 Personen, und auch die Bamberger Wahlbefragung wurde in doppelt so vielen Weblogs angekündigt, als die Initiatoren selber informiert hatten.
- Bei Online-Umfragen, die über Weblogs bekannt gegeben werden, dauert es gegenüber E-Mail-Ankündigungen länger, potenzielle Teilnehmer zu erreichen. Der peak wird noch nicht in den ersten Tagen nach dem Versand der Ankündigung errreicht, sondern nach einer gewissen Latenzzeit, in der sich die Ankündigung verbreitet. In Abhängigkeit von der Relevanz des Themas für Weblog-Autoren kann es daher sinnvoll sein, eine Umfrage längere Zeit online zu lassen, um möglichst vielen Personen die Teilnahme zu ermöglichen.
- Für die Initiatoren einer Studie ist es besonders wichtig, Weblogs zu identifizieren, die über eine hohe Zentralität verfügen, das heißt von möglichst vielen Personen gelesen und gegebenenfalls verlinkt werden. Verweisen solche „focal blogs“ auf die Umfrage – was die Initiatoren z.B. durch eine Bitte um Veröffentlichung eines entsprechenden Hinweises fördern können –, werden nicht nur zahlreiche Nutzer aufmerksam, sondern es steigt auch die Chance, dass weitere Weblogs den Hinweis übernehmen. Die Erfahrungen der MIT-Studie legen nahe, dass durch eigens gestaltete Buttons oder Bilder die Diffusion der Ankündigung noch weiter gesteigert werden kann.
- Um die Verbreitung in der Blogosphäre zu verfolgen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Neben dem Trackback sind dies vor allem webbasierte Anwendungen wie Technorati, Blogstats oder Blogpulse, mit denen sich Verweise von Weblogs auf die Umfrage-URL identifizieren lassen.
Diffusion einer Befragungsankündigung in der Blogosphäre

Leuchtet ein, löst aber weiterhin zwei Kernprobleme nicht: 1) die meisten O.-Umfragen erheben nur quantitative Daten, weil 2) für qualitative das persönliche oder Gruppengespräch unumgänglich ist.
Gruß
Noch eine Anmerkung: Gerade bei Bamberger-Umfrage hatte ich den Eindruck, dass man teilweise um widersprüchliche Aussagen (als Befragter) nicht drum herum kam; wäre nur qualitativ aufzulösen.
Markus, ich stimme Dir vollkommen zu. Im Idealfall ergänzen sich ja beide Methoden, beispielsweise durch qualitative Interviews mit Bloggern, aus denen dann Fragestellungen für eine standardisierte Umfrage gewonnen werden. Bei der Wahlstudie stand Roland und Sandra leider die Zeit dafür nicht zur Verfügung, aber ich hoffe ja drauf, dass irgendwo ein Student gerade über eine Diplomarbeit nachdenkt.. Eine stärker qualitative Analyse des Wahlkampfs in den Blogs, ob jetzt diskursanalytisch oder auf Routinen und Erwartungen von Autoren und Lesern bezogen, wäre ziemlich aufschlussreich!
Ja, wäre auch ein schönes Thema für eine Magisterarbeit in Politikwissenschaft.
da müsste die Umfrage zu Weblogs bzgl. BT-Wahl aber bald mal wiederholt werden, denn inzwischen hat sich viel getan. Gottlob sind viele regierungskritische Blogs hinzugkommen.
Bspw. http://bundestagswahl05.blog.de/
André, soweit ich weiß, planen die Initiatoren eine zweite Befragungswelle noch vor der Wahl, da würde sich Euer Angebot dann wohl auch niederschlagen, wenn es sich durchsetzt (siehe auch die Diskussion hier: http://neuwahlen.twoday.net/stories/832704/
küche, käse, weblogs und die wahl
Käse entscheidet die Wahl, meint Tom_Palm und bietet allen, die bewußt ungültig wählen - z.b. den stimmzettel “verschönern” - im internet eine plattform zum austoben an. natürlich hat das einen “haken”, …>>>weiter
[…] breitet – das wäre dann ja ein interessantes weiteres Fallbeispiel für die Ankündigung von Umfragen in Weblogs… […]
[…] So, in den nächsten zwei Wochen sollten nach und nach die Ergebnisse der "Wie ich blogge?!"-Umfrage hier eingestellt werden. Heute etwas, das noch vom letzten Jahr liegen geblieben war: Das Working Paper "Einfluß von Weblogs auf Ankündigung und Rücklauf von onlinebasierten Umfragen" [.pdf 1,5MB], das auf einem Text basiert, den ich im Juli hier im Blog veröffentlicht und jetzt um einige Daten aus der "Wie ich blogge?!"-Umfrage ergänzt habe. Kurz einige Bemerkungen dazu, Details bitte dem Paper entnehmen: […]