Wahlkampf-Blogging on the road

Posted on Dienstag 30 August 2005

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Mario Sixtus und Christof Wolff haben eine Aufgabe, die je nach Perspektive furchtbar anstrengend oder furchtbar spannend ist: Als Blogger und Fotograf reisen die beiden im Auftrag von "heute" vier Wochen quer durch die Republik und protokollieren ihre Eindrücke aus dem Wahlkampf in einem Weblog. Ich finde ihre Einträge (mehre Einträge und Fotos pro Tag) unheimlich interessant (=Leseempfehlung), weil sie zeigen, dass Politik und Wahlkampf eben nicht nur aus Politbarometer und 90-Sekunden-Statements bei Christiansen & Co. besteht, sondern aus Basisarbeit: "Der Wettbewerb um die Wählergunst findet (..) täglich an ganz unspektakulären Orten statt: in Fußgängerzonen, in Kneipenhinterzimmern und an Haustüren."

Ich kann aufgrund meines Aufenthalts in Linz dieses Jahr leider kaum am Wahlkampf teilnehmen, was mich ärgert: Mir macht Plakate kleben und aufstellen, Informationen an Haushalte verteilen, am Infostand mit Leuten diskutieren nämlich ziemlich Spaß! Umso mehr freue ich mich, via "Blogtour" über solche Dinge zu lesen, sei es nun Roland Kaiser bei der SPD in Rostock, die "Liberal Open" in Meldorf, die Homestory über den grünen Direktkandidaten Phu Hai Ngo oder der Straßenwahlkampf der Linkspartei in Wolgast. (*)

So kommt eine ganz famose Mischung aus Road Report und politischer Berichterstattung zustande; für mich jetzt schon ein Favorit für die nächsten Grimme Online Awards. Ähnlich faszinierend finde ich übrigens das "Convention Blogging" von ix, der für das Wahlblog von den Wahl-Parteitagen der Parteien bloggt. Gerade weil es nicht klassisch-journalistisch ist [siehe auch die Auseinandersetzung in den Kommentaren hier], sondern mit dem Blick für ganz andere Dinge als die vorgestanzten Redner-Formeln und Inszenierungen. Mein Lieblingsbeispiel: Sein Kommentar zum Wahlplakat der Linkspartei: "meine theorie ist ja, dass lafontaine gysie in die eier kneift und gysi ihn darum bittet sie wieder loszulassen." Die Neuwahlen tun Weblogs in Deutschland gut! :)

linkspartei.jpg 

Diese Variante des Plakats via lumma.de 

(*) Hierzu auch noch ein politisches Statement: Der dortige Direktkandidat der Linkspartei wird zitiert mit: "Dass die PDS mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht auf der Regierungsbank Platz nehem wird, sei den Menschen durchaus klar, sie wünschen sich eben eine andere, eine starke Opposition."

Das drückt die Ironie des möglichen Ausgangs dieser Wahl doch ganz gut aus: Linkspartei-Wähler wünschen sich eine starke Opposition zu einer (möglichen) konservativen Regierung, die in den letzten Jahren selber schon eine unglaublich starke Opposition war, weil sie über den Bundesrat fortschrittliche Reformen blockiert hat, wo es nur ging (z.B. Investitionen der Universitäten und des Bildungswesens, siehe Koch) bzw. Hartz-IV-Reformen eher noch verschärft hat (z.B. Zuverdienstmöglichkeiten für ALG-II-Empfänger).



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