Rezension zu meiner Dissertation

Posted on Dienstag 3 Januar 2006

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Albert Petersheim hat im Online-Journal "Forum Qualitative Sozialforschung" eine Rezension meiner Dissertation "Der virtuelle lokale Raum" (Einleitung und Inhalt als .pdf) verfaßt, in der er auch ausblickend einige Gedanken zu Social Software skizziert. Ich bin in der Endphase der Dissertation (Sommer 2004) auf das Thema Weblogs/Social Software gestoßen und habe es nur an einer Stelle kurz eingebaut, ohne mich systematisch damit auseinander zu setzen; das geschah dann erst in der Folgezeit durch den Forschungsaufenthalt in Krems/Wien sowie durch das im April 2006 erscheinende Buch "Weblogs".

In der Dissertation habe ich mich auf unterschiedlichen Analyseebenen mit dem Verhältnis von Internet und Raum auseinandergesetzt:

  • Zunächst durch eine kritische Diskussion unterschiedlicher Varianten der "Raumlosigkeitsthese", d.h. der Behauptungen, durch das Internet würde der Raum als geographische Kategorie, als Bezugspunkt territorialstaatlicher Kontrolle und als Interaktionsumgebung an Bedeutung verlieren;
  • anschließend durch eine Darstellung des "virtuellen lokalen Raums", der durch Nutzungsepisoden mit (klein-)räumlichem Bezug gebildet wird und sich in Angeboten für lokales E-Government, E-Democracy und E-Commerce äußert - verschiedene Gedanken dieses Abschnitts habe ich im Zusammenhang mit der Weblogforschung weiter entwickelt, insbesondere die Frage nach dem Ablauf von Institutionalisierungsprozessen (die ich ja u.a. als Formierung von Nutzungsregeln und Erwartungen verstehe);
  • schließlich durch vier Fallstudien zu öffentlichen Internetzugangsorten in Bamberg, zu den bayerischen Bürgernetzen und zum Tourismusportal www.bamberg.info.

Eine der Kernergebnisse ist, dass durch computervermittelte Kommunikation und Interaktion der Raum als Bezugspunkt des Handelns nicht per se an Bedeutung verliert (also keine simple Entstrukturierung stattfindet), sondern es zu einer Restrukturierung von sozialen Beziehungen kommt, die sich in vielen Fällen weiterhin an räumlichen Metaphern und Bezugspunkten orientieren. Soziologisch gesehen ist der Raum eben kein einfacher "Container", in dem sich soziale Prozesse abspielen, sondern er wird erst durch soziales Handeln produziert. Es ist sicherlich weitere Überlegungen wert, wie Social-Software-Anwendungen solche räumlichen Bezüge herstellen und reproduzieren; man denke an lokale Weblogs wie das "Würzblog" oder regionale Wikis wie das "sub-bavaria", aber auch an Dienste wie plazes.com oder clustrmaps.com, die raumbezogene Variablen erfassen und visualisieren.



  1.  
    MUslar
    Januar 3, 2006 | 8:49 pm
     

    Frohes Neues!

  2.  
    Januar 27, 2006 | 9:33 pm
     

    […] Für den Konferenz-Sammelband habe ich meinen Vortrag "Virtuelle Räume. Die Suche nach dem guten Leben im Internet", den ich letzten Oktober auf dem Symposium "Orte des guten Lebens" gehalten habe, zu einem Aufsatz ausgebaut. Ich setze mich darin zunächst (unter Rückgriff auf meine Dissertation) mit dem Verhältnis von Internet und Raum auseinander und beschreibe dann Merkmale von Weblogs und Online-Rollenspielen. Ich argumentiere, dass diese durchaus das Potenzial besitzen, Orte des guten Lebens zu sein, insoweit sie Gefühle der Zusammengehörigkeit und der Aufgehobenheit in einer sozialen Gruppe fördern, weitgehend zweckfreie und spielerische Interaktionen mit virtuellen Umgebungen und anderen Anwendern erlauben, sowie die Möglichkeit bieten, sozioemotionale Unterstützung in bestimmten Situationen zu empfangen. […]

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