Achtung - das Bamblog wird seit Mitte Oktober 2007 nicht mehr aktualisiert. Bitte besuchen Sie mein neues Weblog unter http://www.schmidtmitdete.de. Danke! - Please note that this blog is no longer active. You can find my new blog at http://www.schmidtmitdete.de. Thanks for visiting!
Vor etwa zehn Tagen haben wir die erste Auswertung der "Wie ich blogge?!" - Umfrage online gestellt. Die Resonanz war recht groß; etwa 60 Kommentare und Trackbacks kamen bei mir im Blog an, und über Technorati habe ich noch einige weitere Verweise entdeckt. Herzlichen Dank! Was ich an Reaktionen wahrgenommen habe, läßt sich in etwa so zusammenfassen (ohne mit den Links zu anderen Weblogs Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben):
Generell stießen die Ergebnisse auf Interesse, besonders bei denjenigen, die selber mitgemacht hatten. Manche nutzten unsere Zusammenfassung, um sich selber nochmal im Vergleich zu den gesamten Ergebnissen zu verorten. Andere verwiesen darauf, die Studie erstmal in der Langfassung lesen zu wollen. Einige vermissten die Dokumentation des Fragebogens - das sei hiermit nachgeholt, er ist hier als .pdf (1 MB) abzurufen (nicht speziell formatiert, sondern direkt aus dem Umfragetool exportiert).
Mehrere Personen hoben hervor, dass die Ergebnisse nicht sonderlich überraschten und im Grunde bestätigten, was man ohnehin schon wisse. Ergänzend dazu kam gelegentlich der Hinweis bzw. die Kritik, dass es sich um eine reine Darstellung der Auswertungen handele und unsere Interpretation der Ergebnisse so kurz sei. Stimmt, aber das war von uns auch so geplant - wir werden in den nächsten Wochen und Monaten sicher noch einige "gehaltvollere" Texte veröffentlichen, wo die Ergebnisse in einen umfassenderen kommunikationssoziologischen Bezugsrahmen gestellt werden (der gaaaanz ausführlich hier formuliert ist). In dem Zusammenhang wird dann auch deutlicher, warum bestimmte Fragen gestellt wurden (was z.B. der Schockwellenreiter kritisch anmerkte): Es geht uns darum, etwas über "Praktiken des Bloggens" zu erfahren, worunter wir (ganz vereinfacht) Gebrauchsweisen verstehen, d.h. Erwartungen und Routinen des Weblog-Formats, die von größeren Gruppen geteilt werden. Oder noch etwas abstrakter gesagt: Wir wollen feststellen, ob sich bestimmte Arten des Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagements durch Weblogs identifizieren und voneinander abgrenzen lassen.
Ein anderer Punkt, der für Diskussionen sorgte: Viele Leute hat überrascht, dass die durchschnittliche Anzahl der gelesenen Weblogs so gering ist (der Median liegt bei zehn, der Mittelwert etwa bei 20). In einem Kommentar habe ich zwei Vermutungen angeboten: a) Die relativ hohe Anzahl von “Blogneulingen”, die sich ihr Lektürerepertoire erst nach und nach aufbauen und/oder b) die Nutzungspraxis, nur Weblogs von Personen aus dem näheren sozialen Umfeld zu lesen. In dem Zusammenhang einfach noch ein paar Informationen aus den Daten:
Zur Lektürepraxis selber: Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Anzahl der gelesenen Blogs und dem Nutzen eines Feed Readers. Wer einen solchen nutzt, liest im Durchschnitt über 30 (31,28) Blogs, wer keinen Reader benutzt, nur knapp 11 (10,72). Auch hier: Extremwerte verzerren den Durchschnitt; der Median beträgt 15 (mit feed reader) bzw. 5 (ohne feed reader).
Zur Vermutung a): Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Alter des eigenen Blogs und der Anzahl der gelesenen Blogs: Autoren mit einem Blog jünger als ein halbes Jahr, lesen im Durchschnitt 11,1 (Median: 5) andere Weblogs, Autoren mit einem älteren Blog lesen im Durchschnitt 28,6 (Median 15) andere Weblogs.
Die Vermutung b) läßt sich nicht so einfach aufgrund der Daten beantworten, da müssten wir nochmal tiefer einsteigen. Generell _vermute_ ich aber, dass wir mit der Befragung einen ordentlichen Teil des "long tail" der deutschsprachigen Blogosphäre erwischt haben; d.h. Blogger, die a) als Autoren nicht sonderlich stark an einer möglichst großen Reichweite des eigenen Blogs interessiert sind und sich b) als Leser (noch?) nicht mit den vielen Selbstverständnisdiskursen und der Vielfalt der Blogosphäre auseinandersetzen, die zu einem größeren Lektürerepertoire führt.
Wir sitzen im Moment an mehreren weiteren Analyseschritten: 1) Überprüfen, ob und inwieweit sich die Motive, Inhalte und Erwartungen faktorenanalytisch verdichten lassen; d.h. ob es bspw. zwei oder drei Motivbündel gibt, die die Vielfalt der Nutzungsmotive zusammenfassend beschreiben; 2) Die oben beschriebene Analyse von Blogging-Praktiken, vermutlich mit Hilfe einer Clusteranalyse; 3) nähere Auswertungen zum Umgang mit Anonymität/Identität sowie zur Gruppe der jugendlichen Blogger; 4) Analyse der Trendsetting-Skala.
Auch wenn ich selber noch nix dazu geschrieben habe - danke schonmal für die weiteren Erläuterungen! Ich warte gespannt auf die End-Auswertung.
[…] zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seiteeinrichten. […]
[…] In der Reihe "Berichte der Forschungsstelle Neue Kommunikationsmedien" sind Ergebnisse der "Wie ich blogge?!"-Umfrage und eine erste (kurze) Interpretation der Daten erschienen (Download). Schmidt, Jan / Martin Wilbers (2006): Wie ich blogge?! Erste Ergebnisse der Weblogbefragung 2005. Berichte der Forschungsstelle "Neue Kommunikationsmedien", Nr. 06-01. Bamberg. Online verfügbar: http://www.fonk-bamberg.de/pdf/fonkbericht0601.pdf Weitere Informationen finden sich hier und hier. [Bamblog] […]
Ich möchte einen recht einfachen, in meinen Augen aber plausiblen Erklärungsversuch starten: Blogneulinge sind mit der Blognutzung ihres eigenen Blogs noch vollauf beschäftigt und erst nach und nach erschliesst sich in kleinen Schritten die Blogosphäre. Anfangs haben die weingsten verstanden, welche Möglichkeiten ihnen sich in der Blogosphäre erschliessen und Begriffe wie CSS, CSS-Stylsheets, Skins, RSS, Atom Feedreader usw. sind absolutes Fachchinesisch. Da den Überblick über anfangs zehn Blog zu behalten ist doch eine ordentliche Leistung, ich beispielsweise habe anfangs noch unbeholfen meine Lieblingsblogs auf meiner Favoritsbar im Browser gespeichert … und bis Sie scih da durchgeklickt haben …
Erst im Laufe der Anwendung gelingt es dann sich persöinlich weiter aufzufächern … aber das braucht Übung und ich bin mir sicher, die meisten Blogger sind reine Autodidakten.
Stoertebeker, Deine Schilderung trifft sicher auf viele Blogger zu. Genauso, wie man zu Beginn des Bloggens als Autor erst mal seinen eigenen Stil, seine eigenen Themen und sein eigenes Publikum findet, muss man sich als Rezipient die Blogosphäre erst erschließen.