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[Update 2: Falls Sie über eine Suche nach “Peter Neller” auf diese Seite gelangt sind beachten Sie bitte, dass es sich um einen Eintrag aus dem Jahr 2006 handelt, der den damaligen Bamberger Oberbürgermeisterwahlkampf zum Thema hat.]
[Update 1: Falls Sie über eine Google-Recherche nach aktuellen Ergebnissen der Bamberger OB-Stichwahl 2006 auf dieser Seite gelandet sind - hier gibt es das aktuelle Ergebnis]
Ich hatte am Sonntag ja schon kurz den anonymen Brief erwähnt, der wenige Tage vor dem ersten Wahlgang in Teilen Bambergs verteilt wurde und in dem vor einem ‘roten Bamberg’ gewarnt wurde. Inzwischen habe ich eine Kopie des Briefes in den Händen - und meine Güte, was ist das denn bitte schön? Mir ist das jetzt zu doof, alles abzutippen, hier aber die Highlights, mit den Hervorhebungen aus dem Original:
“Liebe Bambergerinnen und Bamberger, wollen Sie wirklich einen roten Schauspieler als Oberbürgermeister? Sicher nicht! Entscheiden Sie sich am kommenden Sonntag für den Spitzenmann, der mit Sachkompetenz anpackt, Peter NELLER.
Wollen sie wirklich einen roten Partyoberbürgermeister? Sicher nicht! (…)
Wollen Sie wirklich ein rotes Bamberg? Sicher nicht! Dann entscheiden Sie sich am kommenden Sonntag für unsere “Traumstadt der Deutschen” und eine sichere Zukunft Bambergs mit Peter NELLER.
Wir bitten Sie um Ihr Vertrauen für Peter NELLER.“
Ich soll jemandem vertrauen, aus dessen Wahlkampfumfeld ein solcher Schmonz verbreitet wird? Sicher nicht!
Auf der Rückseite wird in reichlich aufgeregter Manier von einem Beitrag des Bayerischen Fernsehens (Zeitspiegel) am 8.3. berichtet, in dem “brisante Details” zu den beiden Wahlumfragen des BACES aufgedeckt worden wären. Auftraggeber war der Fränkische Tag und Radio Bamberg, beide berichteten über die Ergebnisse. Aus der Tatsache, dass Andreas Starke zu einem Drittel an Radio Bamberg beteiligt ist, wird nun versucht, eine Einflußnahme bzw. Parteinahme der Uni und der beiden Medien zu konstruieren - ein Vorwurf, den er umgehend zurückgewiesen hat, und den ich auch für hanebüchen halte.
Ausserdem wird beklagt, dass der FT bei der zweiten Umfrage nicht darauf hingewiesen hat, dass es sich um eine nicht-repräsentative Umfrage handelte. Nun, laut einer Kollegin von mir, die sich in Pressesachen besser auskennt, gehört es tatsächlich zu den Regeln journalistischer Ethik, auf die (Nicht-)Repräsentativität von zitierten Studien hinzuweisen. Unterm Strich bleibt jedoch festzuhalten, dass die Ergebnisse der Uni-Umfrage zumindest für die beiden Spitzenkandidaten relativ nah ans Endergebnis herankamen. Wenn, dann könnten sich Ursula Sowa und Norbert Tscherner beschweren..
| Umfrage I | Umfrage II | Endergebnis | +/- | |
| Starke | 46% | 48,7% | 45,9% | -2,8% |
| Neller | 21% | 22,8% | 24,6% | +1,8% |
| Sowa | 20,2% | 19,3% | 14,6% | -4,7% |
| Tscherner | 10,8% | 9,1% | 14,8% | +5,7% |
Was aus presserechtlicher Sicht aber viel schlimmer ist: Als V.i.S.d.P. muss eine Person mit Namen und Anschrift benannt sein - auf dem Flugblatt ist aber (wohlweislich?) nur die ominöse Wahlinitiative Bürgerliches Bamberg genannt… mit der Kontaktadresse Luitpoldstraße 55. Übrigens: Das ist die gleiche Adresse wie die Geschäftsstelle der CSU Bamberg….
Ich will Peter Neller gerne glauben, dass er persönlich mit diesem anonymen Flugblatt nichts zu tun hat. Aber die Reaktionen am Sonntag waren eindeutig: Diese Brief-Aktion hat die Grenzen des fairen Wahlkampfs überschritten, da ist jemand mit vollem Anlauf in den Wahlkampfschlamm gesprungen. Ich hoffe, dass die verbleibenden Tage bis zur Stichwahl ohne persönliche Angriffe auskommen - beteuert hat es die CSU ja. Aber wer weiß, wohin sie die Verzweiflung treibt?
Jan, hast du heut den FT online gelesen?
Die CSU zerfleischt sich jetzt selber in der Luft. Unglaublich *staun*.
Ja, habe ich gelesen. Schön, das als Beobachter so mitzukriegen..
Peter Neller der Christo von Bamberg
Ähnlich wie im Sommer 1995, als der “Verpackungskünstler” Christo den Berliner Reichstag verhüllt hatte, kommt mir derzeit Bamberg vor.
Nur das es dies kein schönes Tuch ist das Bamberg verhüllt,
sondern das immer und überall anwesende Schauspielerlächeln von Herrn Peter Neller.
Keine Laterne, keine Plakatwand keine Straße blieb von Ihm verschont
Soll eine Flut von Plakaten unser Gehirn vernebeln,
oder ist das einfach nur Masse statt Klasse?
Ich hatte das Glück Herrn Neller in seinem derzeitigen Amt als Richter erleben zu dürfen,
und habe noch nie so eine geballte Unfähigkeit gesehen. Ganz schlecht vorbereitet wusste er gar nicht was er heute entscheiden soll oder worüber die beiden Parteien eigen streiten.
Nun fühlt sich dieser Herr berufen zum OB von Bamberg
Ein Alptraum
Nein der denkt sicher als OB muss er noch weniger arbeiten,
und kann noch mehr von keiner Ahnung haben.
Heute zur kurzweiligen Lektüre empfohlen: SZ und, ja, BILD!
Die SZ titelt im Bayernteil zum OB-Wahlkampf: “Bamberger CSU vor einem Scherbenhaufen. OB-Kandidat von der eigenen Stadtratsfraktion demontiert - SPD rechnet mit erstem Wahlsieg nach dem Krieg”. Weiter heißt es: “Noch in der Wahlnacht rumorte es bei der CSU in den eigenen Reihen. Der Stadtrat Alfons Sponsel, früher selbst Fraktionschef, fand den Wahlkampf Nellers alles andere als gelungen. Anstelle von ‘überzeugenden Ideen’ hätten er und sein Team lediglich eine Materialschlacht geliefert.”
Emotionaler geht’s BILD-Nürnberg an: “Riesen-Zoff spaltet Bamberger CSU. OB-Kandidat Neller sagt alle Termine ab. […] Amtsrichter Peter Neller (44) war die Hoffnung seiner CSU - doch nach dem Debakel bei der OB-Wahl stürzt er die Partei in die Mega-Krise! […] Er hat alle Wahlkampfauftritte abgesagt. Ministerpräsident Edmund Stoiber bat er gar, von einem Auftritt abzusehen. Neller: ‘Ich will ihm nicht das klägliche Bild zumuten, das die Bamberger CSU derzeit abgibt.’” - Armer schwarzer Peter: Zurücktreten kann er nicht mehr, da muss er jetzt wohl durch …
[…] Schön zu lesen, dass er sich aber von der "Wahlinitiative bürgerliches Bamberg" bzw. deren anonymen Brief distanziert: Der rote Brief, der am Abend vor der Wahl in den Briefkästen gelandet ist, wurde selbst von CSU-Mitgliedern gebrandmarkt. Sind Sie dafür verantwortlich oder der Kreisvorsitzende Christian Lange? […]