Open Access in der KoWi?

Posted on Montag 19 Juni 2006

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Im Rahmen der DGPuK-Tagung fand ein Workshop "Publizieren in der Kommunikationswissenschaft" statt, bei dem auch über die (andauernden) Pläne berichtet wurde, eine fachspezifische Online-Zeitschrift zu installieren. Unter anderem berichteten Vertreter von "Medien & Kommunikation" sowie der "Publizistik", die beiden wohl wichtigsten deutschsprachigen Journale der Kommunikationswissenschaft, über die Vorhaben, alte Ausgaben in einem Online-Archiv bereit zu stellen sowie zukünftige Nummern auch online zu publizieren. So weit, so gut - weil Veröffentlichungen in peer-reviewed journals auch in den sozialwissenschaftlichen Disziplinen immer wichtiger für die eigene wissenschaftliche Reputation der Autoren werden, finden die Debatten und Dokumentationen der aktuellen Forschungsarbeiten stärker dort als in Buchpublikationen statt. Es ist also nur sinnvoll, diese Texte auch im Internet zugänglich zu machen, weil so die Reichweite noch erhöht werden kann, gerade wenn die Texte auch über Suchmaschinen und spezifische Indexdienste auffindbar werden.

Doch ich war etwas enttäuscht, dass - bis auf eine Anmerkung des Moderators - das Stichwort Open Access in den kurzen Vorträgen der Verlagsvertreter kein einziges Mal vorkam. Nun ist es sicherlich verständlich, dass es in den Business-Modellen dieser Verlagsangebote vorgesehen ist, den Zugang kostenpflichtig zu machen, also nur Abonnenten der Printausgabe den Zugriff zu erlauben und/oder einzelne Artikel bezahlen zu lassen - schließlich könnten sie dadurch ihre Geschäftsgrundlage aus der Print- in die digitale Welt übertragen.

Aber aus der Sicht der Wissenschaft ist das eindeutig die schlechtere Lösung, denn dadurch wird der Zugang zu Wissen eingeschränkt. Ich habe in der anschließenden, leider nur sehr knappen Diskussion, dann auch darauf hingewiesen, dass aus meiner Sicht eine Open-Access-Lösung für ein hochwertiges kommunikationswissenschaftliches Online-Journal definitiv vorzuziehen wäre. Es ist ja letztlich eine paradoxe Situation: Wir Wissenschaftler erbringen die Arbeitsleistungen der a) Forschung, und b) des Schreibens, übernehmen auch (unentgeltlich) die Qualitätskontrolle im c) Peer Review und d) der Herausgabe der Journale - und müssen dann für den Zugang zu diesen Werken bezahlen (bzw. es ist die steuerzahlende Allgemeinheit, die uns Wissenschaftler UND die Bibliotheksetats der Universitäten und Institute bezahlt). Ich kann daher auch die Reaktion eines älteren, etablierten Fachvertreters nicht ganz nachvollziehen, der hinterher zu mir (sinngemäß, nicht wörtlich) meinte: "Naja, viel Spaß mit ihrem Plädoyer für Open Access; Sie werden schon merken, dass Sie da bald auf Hürden stoßen" und damit (so war zumindest mein Eindruck) diesen Gedanken per se erstmal abqualifizierte.

Es wäre einen eigenen Eintrag wert, nochmal etwas ausführlicher auf die Prinzipien des open access einzugehen oder zumindest auf einige der vielen bereits existierenden Quellen hinzuweisen, die sich damit auseinandersetzen. Aber da der Internet-Zugang sowohl bei der Konferenz (T-Mobile) als auch im Hotel (Vodafone) kostenpflichtig ist (auch hier also kein open access… :)), kann ich das gerade nicht alles zusammen suchen; ich schreibe meine postings gerade größtenteils offline vor. Vielleicht kann ja meine geschätzte Leserschaft zwischenzeitlich in den Kommentaren ein paar Verweise setzen?

PS: Ein ganz anderer interessanter Punkt kam auch noch zur Sprache: Viele Dozenten klagen ja darüber, dass Studierende kommunikationswissenschaftliche Konzepte und Definitionen aus der Wikipedia zitieren, ohne die Originalquellen zur Kenntnis zu nehmen. Anstatt nun darüber zu lamentieren, sollten wir - so das Plädoyer eines Kollegen in der Diskussion - uns doch lieber daran machen, die Qualität der entsprechenden Artikel zu erhöhen, indem wir bspw. relevante Literatur und den aktuellen Stand der Forschung in die Wikipedia-Artikel einarbeiten. So könnten wir die Studierenden, die nun mal das Internet mindestens für die Erstrecherche deutlich häufiger nutzen als Printquellen, deutlich besser unterstützen als pauschal die Wikipedia bzw. das Internet allgemein zu kritisieren.



  1.  
    Juni 22, 2006 | 10:53 am
     

    Die Abzockermentalöität der Verleger ist schon recht dreist, wenn auch aus deren Sicht mehr als verständlich. Wenn ich mir unseren Bibliotheksetat anschaue und dann die Preise der wirklich guten Fachmagzine und deren Onlineausgaben, dann reicht das gerade mal für ein oder zwei Abos. Schliesslich will man ja noch Luft haben, um auch den ein oder anderen Sammelband in Printversion anzuschaffen. EIn x-faches Dilemma, bei der die Wissenschaftler und die Wissenschaft insgesamt drauflegt.

    Die Idee mit dem OpenAccess lohnt es sich auf jeden Fall zu verfolgen. Rainer Kuhlen hat zum Thema Urheberrecht in Wissenschaft und Bildung und die schlechte Rechtslage für die Wissenschaftler einen kleinen Kommentar veröffentlicht, der hier nachgelesen werden kann: http://www.inf-wiss.uni-konstanz.de/People/RK/Publikationen2006/artikel-schraegstrich0406.pdf

    Den Gedanken, in der Wikipedia selbst mitzuschreiben finde ich übrigens auch sehr gut. IN Trier haben Hans-Jürgen Bucher und ich im vergangenen Wintersemester mit eigenen Wikis experimentiert. Er zu Theorien der Medien- und Kommunikationswissenschaft, ich zu Web.20-bezogenen Themen. Es wäre ein leichtes diese Inhalte auch in Wikipedia einzubauen und mit bereits vorhandenen Inhalten zu verknüpfen.

    Ich denke was wir brauchen ist OpenAccess, verknüpft mit einem alternativen aber genauso aussagekräftigen Reputationsmechanismus. Eine entsprechende Initiative könnte insbesondere von denjenigen Nachwuchswissenschaftlern kommen, die die Potentiale und sozialen Mechanismen des Webs als Publikations- UND KOmmunikationsplattform begriffen haben.

  2.  
    Juni 22, 2006 | 1:13 pm
     

    Ich sehe das ähnlich, obwohl ich als Informatiker in der netten Situation bin, daß es viele Onlinepublikationen gibt, zumeist auf der Homepage der Autoren. Darüber hinaus bieten Onlinepublikationen auch den Vorteil, daß Dienste wie citeseer oder Google Scholar die Zitate der einzelnen Paper analysieren und mir so Informationen über Querverweise, Häufigkeit von Zitaten etc. anbieten.

    Was bei der deutschen Open Access-Diskussion in meinen Augen zu kurz kommt ist die Sicherung der langfristigen Verfügbarkeit von Publikationen. Das Internet ist kurzlebig, in zehn Jahren kann ich mir nicht sicher sein, ob das PDF von heute noch lesbar ist. Die URL des Servers gibt es womöglich nicht mehr. Da hat Papier eindeutig seine Vorteile. Ich denke jedoch, daß die Bibliotheken sich hier schneller bewegen müßten: Es gibt Archivformate, die eine langfristige Lesbarkeit sichern (z.B. Dejavu). Es gibt auch Softwarepakete, die Dokumentenarchive abbilden, z.B. GNU eprint. Die Bibliotheken sollten also digitale Dokumentenarchive anbieten und so die langfristige Verfügbarkeit von Publikationen sichern.

    Ein weiterer Punkt ist, daß die Größenbeschränkungen von Publikationen überdacht werden können. Damit meine ich nicht, daß die Paper bzw. Journalbeiträge beliebig lang werden dürfen, nein, die Zeit zum Lesen hat niemand. Aber mit Hilfe von digitalen Archiven kann man auch Rohdaten veröffentlichen, z.B. die Eingabedaten für den Vergleich von Algorithmen oder Umfrageergebnisse. Andere Forscher könnten dann direkt die gleichen Daten verwenden.

  3.  
    Juni 22, 2006 | 10:09 pm
     

    Wir haben hier in Ol seit einiger Zeit ein OA Journal (http://www.ibis-journal.net), welches sehr gut angenommen wird. Wir melden btw auch an die deutsche Bibliothek, welche druckt und archiviert- da muss das PDF nicht mehr lesbar sein in 10 Jahren ,-)

  4.  
    Tim
    Juni 24, 2006 | 11:34 am
     

    Wie sieht es mit dem Impact-Factor von OpenAccess Journals aus? Das ist das einzige was zählt. Damit werden Ruhm und Fördermittel verteilt, es dient als Evaluationskriterium und hat Einfluss auf die Besetzung von Stellen (hauptsächlich in den Medizin- und Naturwissenschaften).

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