MFG-Workshop und Tagging

Posted on Montag 24 Juli 2006

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Steffen Büffel hat in einem Beitrag sehr ausführlich die Vorträge beim und Reaktionen auf den Workshop “Social Software in der Wertschöpfung” zusammengefasst, der letzte Woche bei der MFG in Stuttgart stattgefunden hat. Mir bleibt eigentlich gar nicht viel, was ich hinzufügen könnte, deswegen nur kurz einige Bemerkungen.

Grundsätzlich fand ich den Workshop sehr gelungen, weil er ganz unterschiedliche Disziplinen (darunter Betriebs- bzw. Organisationswissenschaft, Soziologie und Informatik) zusammenbrachte und sehr anregend war. Kritisch würde ich anmerken wollen: Obwohl sich die Vorträge alle mit dem Thema “Social Software” bzw. einzelner Teilbereiche (insbesondere Wikis und Folksonomies) auseinandersetzten, gab es m.E. keine wirklichen Versuche, den Begriff zu definieren; meist wurde nur eine Auflistung präsentiert, was denn alles unter diesen Begriff fallen könnte, ohne auf Gemeinsamkeiten oder Grundprinzipien zu abstrahieren. Dabei hätte ich es sehr interessant gefunden, Vorschläge der unterschiedlichen Disziplinen zu hören und miteinander zu vergleichen. Ich habe meinen eigenen Definitionsversuch (”Social Software sind internetbasierte Anwendungen, die Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement in den (Teil)Öffentlichkeiten hypertextueller und sozialer Netzwerke unterstützen.“) zwar in der Diskussion kurz eingebracht, ohne dass es aber zu einer weitergehenden Auseinandersetzung gekommen wäre. Hilfreich fand ich in diesem Zusammenhang allerdings die einleitenden Bemerkungen des Moderators Dennis Mocigemba, der einige Grundzüge des Begriffs skizzierte und seine Geschichte bis in die 60er Jahre zurückverfolgte (und dabei auf u.a. Joseph C.R. Licklider und Douglas Engelbart verwies).

Sehr interessant fand ich die erste Nachmittagssession, in der gleich drei Referenten (mich eingeschlossen) das Thema “Tagging” aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten [1]. Andreas Hotho (Kassel) und Harald Sack (Jena) kommen aus der Informatik, während ich eine kommunikationssoziologische Sichtweise beisteuerte und v.a. auf die Aspekte des individuellen und des kollektiven Informationsmanagements einging. Bedenkenswert ist dabei sicher die Frage von Steffen, inwieweit man tatsächlich von kollaborativen Verschlagwortungssystemen sprechen könne, da die überindividuellen Ordnungssmuster (also die Folksonomies) beim Taggen ja emergent seien und nicht durch eine direkte Zusammenarbeit der Nutzer zustande kämen. Er schreibt weiter:

Der Eindruck der Kollaboration ist wohl eher ein Beobachterkonstrukt. Bei sozialen Netzwerken - z.B. in Tagging-Systemen - handelt es sich wohl eher um transintentionale Phänome. Die sozialen Netzwerke emergieren und sind somit nicht auf die Intentionen der einzelnen Nutzer zurückführbar. Sie sind mehr als die Summe der Einzelteile und bestehen auch dann weiter, wenn Nutzer nicht mehr partizipieren und beispielsweise durch neue Nutzer ersetzt werden.

Ich würde dem entgegenhalten wollen, dass die Nutzer von Tagging-Systemen nicht vollkommen unabhängig voneinander tätig sind, sondern zumindest in zweierlei Hinsicht wechselseitige Bezugnahmen stattfinden. Zum sind die Verschlagwortungsroutinen anderer Nutzer zu einem gewissen Grad sichtbar; möglicherweise übernimmt man bestimmte Schlagworte oder auch bestimmte Nutzungsroutinen von anderen. Die Software kann dieses Verhalten unterstützen, wenn sie z.B. “TagSuggest” anbietet, also automatisch bestimmte Schlagworte vorschlägt, die andere Personen genutzt haben. Zum anderen ist ja denkbar, dass solche Verschlagwortungssysteme in kleinen Gruppen (Projektteams o.ä.) eingesetzt werden, also von vorneherein darauf angelegt sind, den Austausch von Informationen in einer solchen überschaubaren sozialen Einheit zu unterstützen. In meinem Vortrag habe ich bspw. kurz die Plattform “Nextspace” vorgestellt, die Kommunikation und Koordination innerhalb begrenzter Gruppen unterstützt - ich hoffe, dass ich in den nächsten Monaten noch Gelegenheit haben werde, dieses Fallbeispiel zusammen mit Thomas N. Burg (der Nextspace maßgeblich konzipiert und entwickelt) etwas ausführlicher zu untersuchen. Von verschiedener Seite habe ich den letzten Wochen Anfragen bekommen, ob ich die Formen und Konsequenzen von Verschlagwortungssystemen etwas näher vorstellen könnte - ich tue mein Bestes.. ;-)

[1] Interessanterweise benutzte jeder von uns einen anderen Begriff für Tagging-Systeme: “Social Resource Sharing Systems” (Hotho), “Kollaboratives Indexieren” (Sack), “Kollaborative Verschlagwortungssysteme” (meine Wenigkeit)



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