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Die Übernahme von YouTube durch Google (manche sprechen inzwischen von “GooTube“) für atemberaubende 1,65 Mrd Dollar hat der Blogosphäre und den etablierten Medien jede Menge Gesprächsstoff geliefert; stellvertretend will ich mal zu Robert Basic und zu Thomas Knüwer linken, auch weil beide darauf hinweisen, dass im Fortgang dieser Geschichte die Blogosphäre oft deutlich schneller mit Informationen aufwarten konnte als die etablierten Medien.
Ich weiß nicht, ob es direkt mit dieser Meldung zusammenhängt, aber mich haben heute zwei weitere Anfragen von Journalisten [1] erreicht, die gerne eine Stellungnahme von mir zu den Entwicklungen im “neuen Netz” für Radiosendungen einholen wollen. In den Vorgesprächen klangen beide Male wieder Fragen an, über die ich vor knapp zwei Monaten schon mal kurz was geschrieben hatte: Wer sind die Leute, die im Netz persönliche Erlebnisse und Informationen preisgeben? Warum machen die das? Was könnte das für die Mediennutzung der Zukunft bedeuten? Ich möchte vor allem zwei Dinge deutlich machen:
- Es gibt eine ungeheurere Breite an Themen, Darstellungsformen und Motiven, warum Menschen Blogs führen oder auch Videos bei Youtube einstellen. Die verbreitete Reduktion auf “Online-Exhibitionismus” greift deutlich zu kurz und wird der Mehrzahl der aktiven Nutzer nicht gerecht.
- Die Aufmerksamkeit, die einzelne Blogs oder YouTube-Videos auf sich ziehen, ist ebenfalls völlig unterschiedlich; in der “Spitze” gibt es Angebote bzw. Inhalte, die ein sehr großes Publikum erreichen, doch in der Regel wenden sich die Beiträge an nur sehr kleine Personenkreise, die aufgrund persönlicher Bekanntschaft oder thematischem Interesse diese Beiträge für relevant halten.
[Update] Das SWR-Interview war gerade; etwas verwirrend fand ich, dass Videos und Weblogs in einen Topf geworfen wurden, als nach Motiven und Publikum gefragt wurde, möglicherweise hört man das meinen etwas umständlichen Antworten an..
[1] Das eine Interview wird heute (Mi) abend gegen 19.40 Uhr im SWR1 gesendet, die zweite Anfrage ist für das “Tagesgespräch” bei BR2 bzw. BR alpha, für das ich morgen (Do) zwischen etwa 12.15 und 12.45 von Kassel aus zugeschaltet werde, um mit Zuhörern/-schauern zu diskutieren; die Sendung gibt es auch als Podcast.
Hallo lieber Jan Schmidt,
ich habe gerade dem Interview bei SWR1 gelauscht.
Es ist unter feed://www1.swr.de/podcast/xml/swr1/thema-heute.xml zum Download als Podcast verfügbar.
Leider wurde die Anmoderation zu deinem Beitrag leider wieder mal mit dem typischen Exhibitionistischem Trailer vollzogen (O-Ton: “Männer filmen ihre Frauen …”) Das ist echt schade. Dabei sagst Du ja auch oft genug, dass Blogging nicht ausschließlich aus exhibitionistischem Grund dient. Täusche ich mich, oder will man das einfach nicht hören?
Beste Grüße aus Koblenz
Andreas Auwärter
Andreas, danke für den Link zum Podcast, werde ich mir gerne nochmal anhören. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, dass dieses Framing so oft vorkommt. Es deutet m.E. aber auch daraufhin, dass wir noch keine wirklichen Begriffe für die neuen Konstellationen von privat-öffentlicher Kommunikation haben, die sich im Internet zeigen, und deswegen auf “vertraute” Kategorien wie EXhibitionismus / Voyeurismus zurückgreifen.
[…] Die Beiträge stimmten in dem Punkt überein, dass sie den sozialen Austausch von Nutzern im Internet und über das Netz nicht als triviale Aktivität oder Zeitvergeudung klassifizierten oder als pauschal unprofessionell, schlecht informiert, unseriös und möglicherweise schädlich abtaten – das sind ja Auffassungen, die in Printmedien, Rundfunk und Fernsehen häufig artikuliert werden und auch in einigen der Kommentare anklungen. Vielmehr haben die Beiträge das soziale Online-Leben in seinen zahlreichen Varianten als hochkomplexe soziale Aktivität begriffen, deren Strukturmuster und Kulturvarianten bisher nur bruchstückhaft erfasst und beschrieben worden sind. Ich denke, ich bin nicht allein mit der Auffassung, dass das vermeintliche “Rumgammeln” im Internet in wenigen Jahren als soziale Aktivität analog zu anderen gewürdigt wird, dass Unternehmen mit ihren Software-Produkten ins Hinterteffen zu Open Source Produkten geraten, dass Verlage, Printmedien und elektronische Medien die Kopräsenz der Internetwelt als adäquates Publikationswesen nicht nur hinnehmen, sondern eine gute Qualität auch anerkennen müssen. Das steigende Medieninteresse an der Blogosphäre, auf das Jan Schmidt hier hinweist, könnte schon ein Zeichen für eine Tendenz in diese Richtung sein. […]
[…] Ich würde vermuten, dass das vermeintliche “Rumgammeln” im Internet in wenigen Jahren als soziale Aktivität analog zu anderen sozialen Aktivitäten gewürdigt wird, dass Unternehmen mit manchen ihrer Software-Produkte ins Hinterteffen zu Open Source Produkten geraten, dass Verlage, Printmedien und elektronische Medien die Kopräsenz der Internetwelt als adäquates Publikationswesen nicht nur hinnehmen und gute Qualität anerkennen müssen, und dass die generelle Richtung eine Qualitätsverbesserung sein wird, weil die Nutzer sehr genau auswählen. Das steigende Medieninteresse an der Blogosphäre, auf das Jan Schmidt hier hinweist, könnte vielleicht schon ein Zeichen für eine Tendenz in diese Richtung sein. […]