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Ich muß gestehen, dass ich die neuesten Entwicklungen im Bereich von Virtuellen Welten/MMROPGs [1] nicht so intensiv verfolge, wie ich es gerne wollte. Mitte der 90er habe ich knapp zwei Jahre sehr intensiv ein textbasiertes Online-Rollenspiel namens Morgengrauen gespielt, war bei einigen Spielertreffen dabei und habe sogar ein Silvester (95/96) dort (d.h. im Spiel) verbracht; eine sehr bizarre, aber unterhaltsame Erfahrung. Ich hab dadurch aus erster Hand erfahren, was “virtuelle Gemeinschaften” sein können.
In den letzten Jahren (und vor dem Hintergrund meiner Erfahrung mit Morgengrauen) hüte ich mich davor, allzu stark in solche Spiele/virtuelle Welten einzusteigen; ich weiß, dass ich viel zu viel Zeit dort investieren würde. Aber habe ich das dumpfe Gefühl, dass sich in diesem Bereich gerade unglaublich viel tut, was unsere Art onlinebasiert miteinander zu interagieren, ziemlich nachhaltig verändern wird. Vor knapp einem Jahr habe ich mal ein paar Eindrücke präsentiert und u.a. argumentiert, dass sich in solchen virtuellen Welten, in denen mehrere tausend oder zehntausend Personen simultan aktiv sind, keine virtuellen Gemeinschaften, sondern vielmehr Mechanismen einer “virtuellen Vergesellschaftung” zeigen: Ausgefeilte Sozialstrukturen z.B. oder eigene Ökonomien, in denen virtuell “erspielte” Güter gegen reale Währung verkauft werden, inklusive entfremdeter Arbeitsverhältnisse durch quasi-industrielle Arbeitsformen wie bei den chinesischen Gold Farmers.
Das war jetzt eine lange und umständliche Einleitung für einen simplen Blog-Tipp: Wer sich interessiert, was gerade in diesem Bereich passiert, der sollte unbedingt bei Markus Breuer vorbeischauen [siehe bspw. hier und hier]. Lesebefehl!
[1] Diese unaussprechbare Abkürzung steht für “Massively Multiplayer Online ROlePlaying Games“; World of Warcraft und Second Life sind die vielleicht prominentesten Beispiele.
[…] And this is exactly what I find so dangerous about this. Jan Schmidt writes that he keeps his fingers off things like that because he’d spend too much time on it. Well, yeah, apart from the time consuming feature, there is something else that you have to keep an eye on. Let’s formulate it as a question since I am not too sure about this: Can virtual realities make us loose our ability to interact in real life? Are we loosing “offline-contacts” through such realistically created and yet virtual worlds? How important are face-to-face-contacts to a generation that will grow up in a “new” and “virtually enriched” life? […]
Sehr passend: In der Süddeutschen Zeitung von heute ist ein schöner Überblicks-Artikel zu Second Life (online leider kostenpflichtig). Dort findet man u.a. die hilfreiche Unterscheidung zwischen “Game” und “Play”. Bei ersterem geht es um ein Ziel (”finde den Schatz”), bei letzterem um den Zeitvertreib und ein “alternatives Leben”.
In Second Life gibt es mittlerweile eine intensive Diskussion darüber, ob das Metaversum eine Ergänzung der realen Welt oder etwas komplett anderes darstellen soll:
“The Immersionists believe that SL is a complete and discrete world in itself, and should have no truck with anything to do with RL… The Augmentationists view SL as an extension of their RL, more as a tool to be used to interact with others.”
Mir scheint, dass SL eine interessante Mischung aus beidem werden wird. Firmen nutzen es mittlerweile für Werbung genauso wie als Alternative zu Videokonferenzen, aber nebenan rennen wilde Alien-Avatare herum. Naja, das hat irgendwie auch was von Berlin oder New York.
Sehr aufschlussreich zu SL ist übrigens das Blog von Rik Panganiban.
(Und nein, ich spiele dort nicht mit, aus den gleichen Gründen wie Jan. Aber es gibt zum Glück gute Blogger.)
Vielleicht auch passend: ein erfahrungsbericht eines ex-WoW Spielers. Wenn man selbst jemanden kennt, der durch zu viel WoW seine Diplomarbeit versemmelt und dann nicht mal einen zweiten Versuch gestartet hat läuft einem beim lesen ein kalter Schauer den Rücken ‘runter. Ich mag mir garnicht vorstellen, wieviel Lebenszeit sinnlos mit diesem Spiel vergeudet wird.
Schöne Grüße nach Bamberg,
– NorQue