cvK-Tagung in Karlsruhe

Posted on Sonntag 5 November 2006

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Donnerstag bis Samstag habe ich in Karlsruhe verbracht, bei der Tagung der DGPuK-Fachgruppe Computervermittelte Kommunikation zum Thema “Computervermittelte Kommunikation als Innovation”. Eine schwelende (bzw. mit homoöpathischen Mitteln niedergehaltene) Erkältung hat mir leider den Spaß etwas genommen, aber trotzdem war ich sehr angetan von den Vorträgen und den vielen Gesprächen - so habe ich bspw. endlich mal Stephan Baumann, einen der original hard bloggin’ scientists, persönlich kennen gelernt.

Sehr spannend fand ich, dass in einer Reihe von Vorträgen und Diskussionen deutlich wurde, wie sich der Gegenstandsbereich der kommunikationswissenschaftlichen Fachgruppe in den letzten zehn Jahren (so lange gibt es sie nämlich) erweitert hat: Anfangs führte sie noch die Bezeichnung “Computervermittelte Öffentliche Kommunikation”, doch die Grenzen zwischen öffentlicher und interpersonaler Kommunikation verschwimmen ja bekanntlicherweise (Weblogs sind da ein sehr gutes Beispiel), und so gab es beispielsweise Vorträge zu multimedialen Gespräche in Skype (Martina Joisten) oder zu einer Typologie von Podcastern (Dennis Mocigemba). Es geht auch nicht nur im internetbasierte Kommunikation im engeren Sinne (auch wenn eine ganze Reihe von Vorträgen dieses Thema hatten); zum Beispiel hat Jan-Noel Thon in einem sehr anregenden Vortrag gezeigt, welche Funktionen Kommunikation im Computerspiel haben kann. Schließlich hat der Überblicks-Vortrag von Patrick Rössler eine grundsätzliche Debatte ausgelöst, ob sich die deutschsprachige Forschung zur cvK nur auf die Nutzerperspektive konzentriere, aber die Wirkungen der verschiedenen Kommunikationsmodi und ihrer Aneignung vernachlässige.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich diesen letzten Punkt einschätzen soll: Einerseits ist es sicher so, dass viele Studien und Aufsätze zunächst einmal beschreibend erklären wollen, wie sich Menschen das (immer noch recht neue) Medium Computer für Kommunikationszwecke aneignen und es in ihren Alltag integrieren. Für sich genommen sicher auch eine wichtige Fragestellung, aber die Gefahr besteht natürlich, dass man als (Sozial-/Kommunikations)Forscher durch den raschen technischen Wandel gezwungen wird, in kurzen Abständen immer wieder zu überprüfen, wie Menschen nun das jeweils jüngste “neue Format” nutzen - und daher nur bedingt zu breiten Analysen kommen, was für Wirkungen/Effekte diese Nutzung nun hat. Allerdings und andererseits erscheint es mir aber eben auch für die Kommunikationswissenschaft notwendig zu sein, den Blick ein wenig zu erweitern und neue Wirkungen/Wirkungstheorien zu entwickeln bzw. aus anderen Disziplinen zu adaptieren. Klassischerweise liegt das Augenmerk der KoWi ja auf öffentlicher (=massenmedialer) Kommunikation, für die bspw. Prozesse des Agenda Setting oder sich verändernde Wissensklüfte untersucht wurden (um mal zwei der bekanntesten Wirkungstheorien zu nennen). Diese Fragestellungen lassen sich ohne Frage auch auf das Internet übertragen - aber sie decken eben viele Kommunikations-/Interaktionsbereiche und ihre möglichen Folgen nicht ab, in denen Menschen Identitäts- oder Beziehungsmanagement betreiben, ohne sich an eine breite Öffentlichkeit zu wenden.

Diese und andere Fragen zum Selbstverständnis der Fachgruppe sollen auf den nächsten Tagungen weiter diskutiert werden, vielleicht kann ich meine eigenen Ideen und Überlegungen dann auch etwas klarer in Worte fassen… Alles in allem aber eine sehr anregende und interessante Veranstaltung; ich freue mich schon auf die nächste Konferenz, die im Februar in München (gemeinsam mit den Kollegen von der Journalismusforschung) stattfinden wird.



  1.  
    November 8, 2006 | 1:11 pm
     

    […] Dort traf ich endlich Jan Schmidt, dessen Buch zu Weblog Praktiken mir schon mehrfach gute Dienste leistete. Seine Zusammenfassung der Tagung gibt es natürlich im Bamblog. Das ZKM selbst trat hier als Gastgeber auf und glänzte mit perfekter Technik, Räumlichkeiten, Afterwork-Events und einer angenehm unaufgeregten Koordination durch Vanessa Diemand. Hier würde ich auch gerne mal eine Tagung unterbringen. […]

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