Blogger sind untrainiert?

Posted on Samstag 16 Dezember 2006

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[via Klaus Eck] Das Marktforschungsinstitut konzept&analyse hat eine Pressemitteilung mit Ergebnissen einer Umfrage veröffentlicht, die “über 13.000 Internetnutzer ab 18 Jahren zu ihren Nutzungsgewohnheiten von Foren, Blogs, Networks und Newsgroups befragt” hat. Auf dieser Grundlage zeichnen sie folgendes Bild des typischen Bloggers:

Das soziodemografische Ergebnis: Der erwachsene Prototyp-Blogger ist männlich und trägt Dreitagebart. Er ist bis 29 Jahre alt und führt eine freischaffende Tätigkeit aus. Die körperliche Fitness zählt nicht zu seinen Prioritäten – viele der Intensivnutzer bezeichnen sich als „kaum oder untrainiert“ und „leicht übergewichtig“ bis „stattlich“.

Ausserdem nennt die Pressemitteilung einige Daten zur Nutzung von Blogs in der befragten Stichprobe: “Insgesamt nutzt knapp ein Viertel der Deutschen, 23,4 Prozent, Blogs & Co. im Internet. 54 Prozent dieser Gruppe bezeichnen sich als reine „Leser“, 33 Prozent verfassen außerdem Kommentare und 12,5 Prozent (drei Prozent aller Befragten) nutzen die Tools intensiv oder schreiben in Eigenregie“.

Ich habe das gestern Abend schon bei Klaus Eck kommentiert: Aus der Pressemitteilung ist nicht wirklich zu erkennen, ob diese Befunde “belastbar” sind, also tatsächlich ein akkurates Bild der deutschsprachigen Blogosphäre wiedergeben. Mehrere Dinge sprechen auf den ersten Blick [1] dagegen:

Die Zahl von 13.000 Befragten klingt ja auf den ersten Blick sehr gut, denn “viele Befragte = hohe Repräsentativität”, right? Nein, leider nicht… Stichproben können nur dann repräsentative Ergebnisse liefern, wenn jede Person aus der Grundgesamtheit die gleiche Chance hatte, in die Stichprobe zu gelangen. Dann machen auch mehr Befragte Sinn, weil man so den Fehler reduzieren kann, mit seinen Ergebnissen von der wahren Verteilung abzuweichen. Allerdings scheint mir hier die Zufallsauswahl zweimal verletzt zu sein: Zum einen wird in der PM auf “die Deutschen” zurückgeschlossen - dabei wurden augenscheinlich nur Onliner befragt. Und zum zweiten klingt es so, als ob sogar nur registrierte Mitglieder von friendscout24 befragt wurden (”im Auftrag von FriendScout24 über 13.000 Internetnutzer ab 18 Jahren”); das würde übrigens auch erklären, woher die Angaben zu Übergewicht und Dreitagebart kommen, denn die Infos sind im friendscout-Profil gespeichert…

Gut, prinzipiell spricht ja auch nichts dagegen, diese eingegrenzte Grundgesamtheit (alle friendscout24-Mitglieder) zu befragen, aber dann darf man streng genommen nicht auf die Onliner hochschließen. Man hätte dann nämlich eine ganz spezielle Grundgesamtheit befragt, die das Netz auch generell zur Kontaktanbahnung und Beziehungspflege nutzt. Und bei denen ist wohl auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie andere “social software” wie Blogs, Foren etc. verwenden. Da macht es jetzt überhaupt keinen Unterschied, ob man 1.300 oder 13.000 Leute befragt: Die Daten werden dadurch nicht repräsentativer für die Deutschen oder die Internetnutzer, sondern eben nur für die Gruppe der friendscout-Nutzer… Und da kommen wir zu einem weiteren Problem: Die Altersbeschränkung “ab 18 Jahre” (so alt muss man sein, um friendscout24 nutzen zu dürfen). Ich bezweifele, dass man den tatsächlichen Stellenwert von Blogs erfasst, wenn man nur über 18jährige befragt und Teenager nicht einbezieht…

[1] Ich habe das Institut auch per E-Mail kontaktiert, um ggfs. mehr Informationen zur Studie zu bekommen. In der Pressemitteilung werden die Schlußfolgerungen ja auch schon etwas relativiert: “Die Gruppe der echten Nutzer ist erheblich kleiner als in der momentanen Euphorie angenommen wird (…) Das wird besonders deutlich vor dem Hintergrund unserer Stichprobe, die fast ausschließlich aus Internet-affinen Personen besteht.

[Update 18.12]: Herr Ohnemus von der Agentur Konzept & Analyse hat zwischenzeitlich geantwortet, aber mich gebeten, seine Mail nicht zu veröffentlichen, da es sich bei der Untersuchung um eine Auftragsstudie handelt - der Bitte komme ich selbstverständlich nach. Und weitere anekdotische Eindrücke zur Charakterisierung der Blogger gibt es unter anderem hier bei “nein. ja. erledigt. los”.



  1.  
    Dezember 16, 2006 | 6:12 pm
     

    Ich bin zwar untrainiert und leicht übergewichtig, aber dafür achte ich sehr auf meinen Bartwuchs :)

  2.  
    Dezember 16, 2006 | 11:28 pm
     

    Da kann ich mich nur anschließen! Ich bin auch untrainiert und leicht übergewichtig, aber viel älter als 29 und hasse Dreitagebart. Dafür bin ich im Unterschied zu den Befunden der Umfrage gur belastbar.

  3.  
    Dezember 17, 2006 | 5:33 pm
     

    […] (”Studie” entdeckt via www.bamberg-gewinnt.de/wordpress, wo Jan Schmidt auf mögliche empirische Schwächen der Befragung hinweist) […]

  4.  
    Dezember 19, 2006 | 9:42 pm
     

    […] via MarkenBlog Update: beim Bamblog, beim PR Blogger […]

  5.  
    Dezember 19, 2006 | 9:56 pm
     

    also ich blogge auch und habe gar keinen dreitagebart.

  6.  
    Februar 9, 2007 | 11:34 am
     

    Na, heute schon investigativ multipliziert?…

    Nach Auswertung der Blogstudie 2007 gibt’s Prof. Ansgar Zerfaß von der Uni Leipzig heute allen Bloggern schriftlich: Sie sind investigative Multiplikatoren. Klingt toll, bin ich gerne. Das lese ich viel lieber als die freche Behauptung de…

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