Artikeleinleitungen, die TIME und Weihnachten

Posted on Dienstag 19 Dezember 2006

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ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber Einleitungen zu Artikeln, ob wissenschaftlich oder nicht, sind immer so ein Problem. Man sollte zumindest einen Absatz lang grob in das Thema einführen und begründen, warum gerade die eigene Fragestellung relevant ist. Diese Einführung sollte einerseits allgemein sein und noch keine Befunde des eigentlichen Textes vorwegnehmen, andererseits darf sie auch nicht allzu banal sein (”Das Internet ist eine wichtige Informations- und Kommunikationstechnologie der Gegenwart”), weil man sonst ja schnell mal seine Leser langweilt…. Ich durfte zum Glück im Verlauf des vergangenen Jahres eine ganze Reihe von Texten veröffentlichen, aber kann an dieser Stelle ja mal gestehen, dass gefühlte 90 Prozent meiner Paper und Vorträge im Jahr 2006 den folgenden Satz enthielten: “In der vergangenen Monaten hat sich auch im deutschsprachigen Raum [die Anzahl von Weblogs/die Aufmerksamkeit für Web 2.0/etc.] stark erhöht.” Nicht wirklich sonderlich innovativ…. :)

Aber es gibt Hoffnung: Gestern hat die TIME bekannt gegeben, dass der diesjährige “Man of the Year” kein einzelner Mann und auch keine einzelne Frau ist, sondern Millionen von ihnen, ach was sag ich - von uns: Der gemeine Internetnutzer (”homo webzweinullis”), der über Weblogs, Wikis oder ähnliche Social-Software-Dienste mit anderen interagiert und so die Welt verändert. Wir stehen damit übrigens in einer Reihe mit so illustren Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi (1930), Adolf Hitler (1938), Willy Brandt (1970) und George W. Bush (2004) - ein Umstand, der so manche dazu bewogen hat, den Preis abzulehnen [ Hier und hier gibt’s buzz in der Blogosphere]. Mich persönlich freut diese Entscheidung vor allem, weil sie ein wahrer Glücksfall für zukünftig zu schreibende Einleitungen ist. Ab jetzt kann ich nämlich immer folgenden Satz hinzufügen: “Die wachsende Bedeutung dieser neuen partizipatorischen partizipativen Internetanwendungen hat die TIME bewogen, den Internetnutzer an sich zur ‘Person of the year 2006′ zu küren.” [1] Ein wunderbares Beispiel, um die Relevanz von [Weblogs/Web 2.0/etc.] herauszuheben, ohne schon allzu spezifisch zu sein - großartig!

Als Mit-Ausgezeichneter möchte ich deswegen meinen Dank an die Jury aussprechen, das war ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk! :) Und als Autor dieses Blogs möchte ich all meinen Lesern frohe Weihnachten und einen tollen Start ins neue Jahr wünschen; das war ein unglaublich spannendes 2006, und ich hoffe, dass es so weitergeht.

Merry Christmas!

[1] Ok, ich werde ihn je nach Kontext möglicherweise etwas abwandeln… :)



  1.  
    Dezember 19, 2006 | 5:18 pm
     

    Bitte, Jan, nicht “partizipatorisch”, sondern “partizipativ”. Darauf lege ich Wert.

  2.  
    Jan Schmidt
    Dezember 22, 2006 | 4:30 pm
     

    Mario - ist geändert, und Du hast vollkommen recht! :)

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