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Heute war die Abschiedsfeier für Klaus Ellrodt, der vor einigen Tagen im Alter von 73 Jahren gestorben ist.

Ich erinnere mich noch sehr gut an unser erstes langes Gespräch im Mai 2003. Er war damals gerade einige Monate Mitglied in meinem SPD-Ortsverein, aber ich hatte in den Unterlagen gesehen, dass er schon länger in der SPD war. Im Anschluss an eine Veranstaltung sind wir noch gemeinsam ein Bier trinken gegangen, und er hat mir seine Lebensgeschichte erzählt – oder zumindest Teile davon, denn was er alles erlebt hat, ließ sich gar nicht an einem Abend (geschweige denn bei einem Bier) unterbringen.
Er stammte aus einer eingesessenen Bamberger Familie und wuchs im Dritten Reich als Sohn eines hochrangigen SS-Offiziers auf. Nach dem Krieg studierte er in den 50er Jahren bei Adorno und Horkheimer in Frankfurt Soziologie; später wurde er Korrespondent von Associated Press. In den 60er Jahren hat er u.a. mit Willy Brandt und Herbert Wehner zusammengearbeitet und war aufgrund seiner Kontakte in die SPD und nach Ost-Berlin (aus Studentenzeiten) auch eine Art Mittelsmann zwischen SPD und SED (und hat sogar Geheimtreffen in seiner Wohnung in Berlin organisiert). Später hat er u.a. als Journalist für „Panorama“ und das ZDF gearbeitet; in den 70er Jahren ist er dann nach Mexiko gegangen und hat dort die „Deutsche Mexiko-Zeitung“ aufgebaut (wenn ich das richtig in Erinnerung habe). Während der ganzen Zeit hat er sich – wohl aus einer tiefen Verpflichtung gegenüber seiner eigenen Vergangenheit heraus – intensiv um die Enttarnung ehemaliger Nazis bemüht; bei dem Gespräch meinte er, dass zum Beispiel in den Roman „Akte Odessa“ von Frederik Forsyth (den er auch kannte) einige seiner Erlebnisse eingeflossen seien. Vor fünf Jahren kam er dann nach Bamberg zurück, um seinen Lebensabend hier zu verbringen. Bis es ihm im letzten Jahr gesundheitlich immer schlechter ging, war er jedoch noch ungeheuer aktiv in der SPD, in der jüdischen Gemeinde von Bamberg und beim Projekt SOPHIA.
Das sind jetzt nur Bruchstücke seiner Geschichte, und wir haben uns in den vergangenen Jahren oft getroffen und diskutiert. Es war manchmal nicht leicht, seinen Ideen zu folgen, die er angesichts ganz anderer politischer Erfahrungen vorgebracht hat, als ich sie je haben könnte. Auch für die Bamberger SPD war er oft unbequem, aber vielleicht brauchen wir solch „alte Zausel“ (so hat er sich gerne bezeichnet), die keine eigenen politischen Ambitionen mehr haben und dadurch umso freier sagen können, wo die Probleme liegen. Ich bin auf jeden Fall unglaublich froh, ihn kennen gelernt zu haben, und heute noch einmal Abschied von ihm nehmen zu können. Ich werde Dich vermissen, Klaus!
Klaus war einer der beeindruckendsten Persönlichkeiten, die ich in der (Bamberger) Parteienlandschaft kennen lernen durfte. Er war immer integer, ehrlich, geradeheraus und gab immer kreative - wenn auch manchmal unbequeme - Impulse, weswegen ihn die “Honoratioren” wohl oft leider nicht ernst genommen haben. Jedenfalls nicht so ernst, wie es ihm war und wie er wohl gern ernst genommen worden wäre.
Die Gedenkfeier, die heute zu seinem Abschied im Kolombarium gehalten worden ist, hat gut zu ihm gepasst. Einige Freunde und Verwandte haben bewegende Worte gesprochen, die dem widersprüchlichen Wesen von Klaus sehr gerecht geworden sind. Man konnte ihn im Gesagten immer wieder erkennen, und immer wieder blitzten bei mir Erinnerungen an Situationen auf, die ich ganz ähnlich mit Klaus erlebt hatte.
Ich bin sehr traurig, dass Klaus Ellrodt nicht mehr bei uns ist. Es kommt mir vor, als sei er schon immer da gewesen - dabei kannte ich ihn grade mal vier Jahre. Ich vermisse dich, Klaus! Und ich hoffe, du hast deinen Frieden gefunden, dort wo du jetzt bist.