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Sonntag und Montag war ich beim DLD in München (Digital Life Design) und hab zugeschaut, wie die nationale und internationale Web 2.0-Szene Kontakte knüpft. Eine wirklich sehr interessante Veranstaltung - gar nicht so sehr wegen der Vorträge und Panels (obwohl es natürlich ganz spannend ist, z.B. David Sifry von Technorati, Craig Newmark (Craigslist.com) oder Tariq Krim von Netvibes live zu sehen), sondern wegen des ganz spezifischen Milieus, das sich dort getroffen hat: Unternehmer, Medienvertreter, Consultants, Venture Capitalists, PR- und Marketingmenschen, alle waren da - aber meinem Eindruck nach nur relativ wenige Leute, von denen eigentlich alle geredet haben (und an denen alle verdienen wollen): Das aktive Publikum, der long tail, die Menschen, die tatsächlich Inhalte schaffen, weil sie bloggen, podcasten und Videos bei Youtube hochladen… Trotzdem gibt es jede Menge Berichte und Fotos im Netz, auch vom Bloggertreffen am Sonntag abend, das Robert Basic und Klaus Eck organisiert hatten. Dort ging es deutlich entspannter und legerer zu als beim DLD.
Für mich stachen zwei Momente aus dem ganzen Trubel des DLD heraus:
Der eine fand im Panel “Where are the editors” statt: Nach durchweg guten Statements von Ariana Huffington, Dave Sifry und den übrigen Teilnehmern kamen verschiedene Fragen aus dem Publikum. Noch während Leute an den Mikrofonen anstanden, griff auf einmal Hubert Burda ein Mikro, schritt auf die Bühne und hub zu einem ca. 10minütigen Monolog über irgendwas an… Deutlicher hätte man nicht ausdrücken können, dass man als “old school Verleger” [1] gewohnt ist, einfach mal so zu reden, egal ob andere Leute auch was zu sagen haben. Oder nochmal anders gesagt: Dass einem das Publikum möglicherweise doch egal ist.
Der zweite Moment war während der DLD-Party im Bayerischen Hof, als ca. 20 Leute zur Erheiterung der übrigen gefühlten 600 anwesenden Wichtigen in den Pool sprangen, um eine Art Wasserball zu spielen. Es hat etwas ungemein surreales, mit Häppchen und Bier in der Gegend herum zu stehen und bekleideten Leuten beim Plantschen zuzusehen, noch dazu wenn das in Gesellschaft von Cherno Jobatey, Verona Pooth und (vermutlich) diversen anderen B-Promis geschieht. Wenn ich in zwei oder drei Jahren, nach dem Platzen der Web 2.0-Blase, auf das ganze zurückschauen werde, wird mir diese Situation in Erinnerung bleiben: Brot und Spiele 2.0
Sehr angenehm war dagegen der weitere Verlauf des Abends im Erdgeschoß: Dort diskutierten SPON und Bildblog/FAS, West Eins und Wirres im kleineren Kreis, ohne Geschäftsmodell und Exit-Strategie (ich weiß auch gar nicht mehr so genau, wann ich aufgebrochen bin…) Großartig auch der Moment, als Hubert Burda zufällig mit uns im Aufzug nach unten fuhr und Alex Richter ihn mit folgenden Worten um ein Foto bat: “Herr Professor Burda, meine Mutter liest seit 50 Jahren ihre Zeitschriften und würde sich sehr über ein Foto freuen, auf dem wir beide zu sehen sind.” Hat funktioniert!
Summa summarum: Ich bin froh, eine solche Veranstaltung mal mitgemacht zu haben, auch weil ich eine ganze Reihe von interessanten Begegnungen und Gesprächen hatte - aber ich bin ebenso froh, jetzt wieder in Bamberg zu sein, wo “Zwei Null” in aller Regel noch meint, dass der FC Eintracht auch das erste Spiel nach der Winterpause wieder gewonnen hat.
[1] Mit der Bezeichnung tue ich Burda in gewisser Weise unrecht, weil er möglicherweise schon erkannt hat, dass sich althergebrachte Meinungsmonopole auflösen (siehe auch die Lobeshymne von Ariana Huffington auf ihn). Andererseits empfand ich sein Wort-Ergreifen einfach nur unhöflich dem übrigen Publikum gegenüber.
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