Achtung - das Bamblog wird seit Mitte Oktober 2007 nicht mehr aktualisiert. Bitte besuchen Sie mein neues Weblog unter http://www.schmidtmitdete.de. Danke! - Please note that this blog is no longer active. You can find my new blog at http://www.schmidtmitdete.de. Thanks for visiting!
Bei der Münchner Tagung hatten es die Münsteraner Kollegen schon angekündigt - in der neuesten Ausgabe der “Media Perspektiven” ist ein Aufsatz von Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke erschienen, der einen Überblick über die bislang vorliegende (empirische) Weblogforschung gibt: “Weblogs und Journalismus: Konkurrenz, Ergänzung oder Integration? Eine Forschungssynopse zum Wandel der Öffentlichkeit im Internet“. Hier der abstract:![]()
Weblogs sind verstärkt Gegenstand öffentlicher Diskussionen darüber, ob und wie sich durch die aktive Teilhabe der User an der Kommunikation im Internet der professionelle Journalismus verändert oder ob er sogar obsolet wird. Die Synopse bisheriger Forschungsergebnisse legt eine differenzierte Betrachtungsweise nahe, zeigen sich doch bisher nur wenig gesicherte und teilweise widersprüchliche Erkenntnisse.
Weblogs sind ein vielfältig verwendbares Format. Die überwiegende Mehrzahl wird für private Einträge genutzt und ist vom Journalismus weit entfernt. Einer US-amerikanischen Studie zufolge sind das eigene Leben und persönliche Erfahrungen die wichtigsten Blogger-Themen, weit vor anderen Bereichen wie Politik, Nachrichten oder Wirtschaft, und sie werden oftmals nur von Bekannten gelesen. Dennoch gibt es zahlreiche Weblogs, die sich potenziell an ein Massenpublikum richten. Einige Studien ermitteln Hinweise auf ein journalistisches Selbstverständnis der Blogger, andere zeigen, dass Blogger und Journalisten ihre gegenseitigen Stärken und Schwächen ähnlich einschätzen.
Wieso werden Weblogs gelesen? Erste Forschungsergebnisse sehen wichtige Gründe in der Exklusivität von Informationen, der “besseren” Perspektive, der größeren Ehrlichkeit und der klar erkennbaren Meinung in Blogs. Während einige nicht-repräsentative Studien eine hohe Glaubwürdigkeit der Weblogs ermittelten, belegen repräsentative Befragungen eine höhere Glaubwürdigkeit des professionellen Journalismus.
Wie nutzen Journalisten Weblogs? Eine in diesem Beitrag erstmals veröffentlichte Befragung der Autoren unter den Leitern deutscher Nachrichtenredaktionen sieht Weblogs überwiegend in Komplementärrollen: Sie werden als Quellen eingestuft, “die der Journalismus nutzen kann” und als Orte gesehen, an denen “die Kommunikation des Publikums über die Berichterstattung der Massenmedien stattfindet”. Der Befragung zufolge nutzt die Mehrheit der Nachrichtenredaktionen Weblogs bisher nicht. Werden sie jedoch genutzt, dann vor allem zur Inspiration für neue Themen oder um über das Phänomen Blogs selbst zu berichten. Fakten würden 45 Prozent niemals aus Weblogs recherchieren, ein Drittel tut dies jedoch häufig, wobei rechercheschwache Redaktionen Weblogs intensiver nutzen.
Bilanzierend kann festgehalten werden, dass nach den bisherigen Forschungsergebnissen zwischen Weblogs und professionellem Journalismus eher eine komplementäre als eine konkurrierende Beziehung besteht.
Christoph hat mich bei seinem Überblick über empirische Studien S. 98 auch noch unter die Berlecon-Studie gepappt, die ich zwar des öfteren prominent zitiert habe, aber sonst nicht beteiligt war. Das ist zuviel der Ehre
Muss wohl ein Druckfehler sein.