Weblogs ins Museum?

Posted on Mittwoch 4 April 2007

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[Update] Im Blog zur Ausstellung gibt es nun eine Zusammenfassung des Workshops.

And now for something completely different.

Vor lauter Abmahnerei bin ich noch überhaupt nicht dazu gekommen, etwas zu einer Veranstaltung zu schreiben, die ich Montag und Dienstag in Frankfurt besucht habe: Das dortige Museum für Kommunikation bereitet für 2008 eine Ausstellung “Vom Tagebuch zum Weblog” (Arbeitstitel) vor und hatte zu einem vorbereitenden Workshop eingeladen, an dem eine Reihe von Vertreter/innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, Mitarbeiterinnen des deutschen Tagebucharchivs in Emmendingen sowie Angehörige des Museums selbst teilnahmen. Andrea Diener (”Reisenotizen aus der Realität“), die (nach ihren eigenen Worten) als “Quotenbloggerin” eingeladen war, hat inzwischen einen schönen Eintrag über ihre Eindrücke verfasst.

Da ich wegen einer Lehrverpflichtung schon Dienstag mittag wieder abreisen musste, konnte ich leider nicht die komplette Diskussion verfolgen. Aber sowohl die Unterhaltungen am Vormittag als auch das ausführliche Gespräch mit den Ausstellungsverantwortlichen am Montag nachmittag empfand ich als sehr anregend und fruchtbar (ausserdem war ich Montag abend zum ersten Mal in einer Sachsenhaäuser Apfelweinschänke…). Es ist zur Abwechslung mal sehr schön, im Zusammenhang mit Weblogs nicht über vermeintliche oder tatsächliche Bedrohungen des Journalismus oder die Revolution der PR zu sprechen. Stattdessen gingen wir den Verbindungslinien zwischen dem Tagebuch und Weblogs im Hinblick auf Subjektivität nach, sprachen über die Auseinandersetzung mit sich selbst und einem (imaginierten oder tatsächlich vorhandenen) Publikum, oder auch über die verschiedenen Diskurse rund um Weblogs. Im Vorfeld hatte ich ja die Thesen, die ich im Workshop kurz skizzierte, bereits gebloggt und einige sehr interessante Kommentare erhalten, die auch wieder in die Diskussion vor Ort einflossen.

Möglicherweise noch interessanter als diese (doch sehr trockenen) Debatten ist die Frage, wie sich Weblogs denn “ausstellen” lassen… Vielleicht hat ja jemand meiner Leser/innen Ideen? In Kürze soll übrigens auch ein Blog zur Ausstellungsvorbereitung starten; die zuständige Museumsmitarbeiterin Tine Nowak wird wohl auch bei der Re:Publica in Berlin sein. Vielleicht finden wir da ja Zeit für eine weitere Brainstorming-Runde?

PS: Ich bin jedesmal amüsiert, wenn in akademischen Diskussionen auf Anwesende nur unter Nennung ihres Nachnamens (und ohne “Herr” oder “Frau”) Bezug genommen wird: “Wie Schmidt in seinem Beitrag gerade anmerkte, ist es ja so und so.”; “Ich möchte Schulze an dieser Stelle widersprechen”; “Meier hat da einen interessanten Punkt aufgeworfen”. Ich kenne das nur aus Diskussionen mit Literaturwissenschaftlern … :)



  1.  
    April 5, 2007 | 12:07 am
     

    schmidt, das klingt interessant mit der ausstellung über tagbücher und das dazugehörende blog :) werd ich mich gleich mal (also moing) drüber machen, brauch bzgl. des zusammenhangs noch fundierte informationen für mei MA :)

    liebe grüße und vielleicht (hoffentlich) trifftma sich mal wieder zum bloggertreffenbiertrinken!!!

  2.  
    April 5, 2007 | 10:43 am
     

    Wenn du auch nur den halben Tag da warst, war Dein Statement, so schien es mir, gerade für die Experten aus den anderen Disziplinen sehr erhellend. Ich wette, jetzt werden die Literaturwissenschaftler auch bei den klassischen Tagebüchern an “A-List” und ” Long tail” denken müssen.
    Zur re:publica: Ich werde auf jeden Fall zum Vortrag am Mittwoch und zu den Hard Bloggin Scientists am Freitag kommen. Wenn sich dann noch irgendwann zwischendurch ein bißchen Zeit zum Brainstormen fände, wäre ich sehr erfreut. Ich werde alle drei Tage da sein.

  3.  
    April 5, 2007 | 10:58 am
     

    Darf ich mich zu dem Treffen in Berlin einladen? Interessiert mcih ja (aus beruflichen Interessen) geradezu brennend.

  4.  
    April 5, 2007 | 11:21 am
     

    Das Tolle ist, daß die Literaturwissenschaftler ihre Mails auch so unterschreiben. Was aber wiederum nur für Männer gilt. Ich glaube, wenn eine weibliche Wissenschaftlerin es geschafft hat, sich ihren Vornamen wegzuverdienen, ist sie im akademischen Olymp angekommen (die Paglia, die Bronfen), ganz ähnlich ist es ja im Entertainment-Sektor (die Knef, die Dietrich).

    PS. Übrigens heißt es “Sachsenhäuser Apfelweinkneipe”. Sachsenhäuser mit ä.

  5.  
    April 5, 2007 | 1:26 pm
     

    Tine, Lars: lasst uns doch mal im Hinterkopf behalten, eine ad-hoc-Session zu machen. Ich denke, dass Platz und Zeit vorhanden sein sollte.
    Andrea: oops, danke :)

  6.  
    April 5, 2007 | 1:32 pm
     

    Klar, gerne

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