re:publica (3)

Seit Samstag nachmittag bin ich wieder in Bamberg, aber richtig verdaut habe ich die letzten Tage in Berlin bei der re:publica noch nicht. Für mich waren das unglaublich intensive Tage, mit öffentlichen Auftritten und jeder Menge interessanter, schöner, witziger Gespräche zwischendurch. Am ehesten kann ich es noch mit den BlogWalks und den BlogTalk-Reloaded-Konferenzen vergleichen, aber die fanden in deutlich kleinerem Rahmen statt, zum Teil auch schon vor fast drei Jahren, als der Begriff Web 2.0 noch nicht erfunden war und Blogs gerade erst anfingen hierzulande.

Eigentlich aussichtlos, den ganzen Eindrücken jetzt einen schnöden Blogeintrag zu widmen und dann weiterzumachen, denn ich bin sicher, dass viele von den Themen, die uns in Berlin beschäftigten, in den kommenden Monaten noch an Fahrt aufnehmen. Zum weiten Feld von “Blogs & Werbung/Geld” wurde schon während der Tagung eifrig debattiert; interessanterweise kaum auf dem Podium (was ich so lese; ich selbst war bei den einschlägigen Panels nicht), sondern in Blogs von re:publica-Teilnehmern und -nicht-Teilnehmern. Dieses Thema erhitzt die Gemüter und belegt gleichzeitig wunderbar meine These vom Eröffnungsvortrag: Es gibt nicht mehr “das Weblog” und es gibt auch nicht mehr “den Blogger” (wenn es beides je gegeben hat…). Die Debatten kreisen dennoch um das “richtige” Bloggen, und immer wieder ist spürbar, dass es bestimmte Personen gibt, die prototypisch für bestimmte Positionen stehen bzw. zentrale Figuren in den Diskursen sind. Derweil ist es einer Vielzahl von Bloggern schlicht egal, ob ihr Tun nun eine umwälzende Bedeutung hat oder die Welt verbessern könnte – diese Personen fahren nicht auf Blog-Konferenzen (oder bloggen über Blog-Konferenzen), sie bloggen einfach über das, was sie interessiert. Dieser Teil der Blogosphäre, den ich in meiner Präsentation durch die drei Bilder vom Katzencontent, Strickblogging und Tokio Hotel sicherlich ziemlich vereinfacht und holzschnittartig charakterisiert habe, der long tail also, war nicht da.

Oder?

Bei genauerem Hinsehen war der long tail doch da; die re:publica war kein reines “A-List”-Klassentreffen, sondern im Gegenteil eine Veranstaltung mit sehr unterschiedlichen Personen, Meinungen und Perspektiven. Natürlich waren auf den Podien manche Leute sichtbarer als andere, aber die Teilnehmer haben so viele verschiedene Möglichkeiten genutzt, sich auszutauschen (von der SMS-Wand über die Gespräche im Hof bis hin zu den verteilten Konversationen in den Blogs und die flickr-Galerien), dass keine wirklichen Hierarchien spürbar wurden [1]. Ich fand es ausserdem wunderbar, mal eine Reihe von Leuten persönlich kennen zu lernen, die ich bislang nur über ihr Blog kannte, und ausserdem noch jede Menge Personen, die ich vorher nicht kannte. Deswegen ein sehr herzlicher Dank an die Organisatoren; ich hoffe, dass es nächstes Jahr eine ähnliche Veranstaltung gibt.

[1] Als Nebeneffekt war die re:publica sogar wohl tatsächlich auch ausserhalb von Berlin einigermaßen verfolgbar, wie folgender Kommentar bei spreeblick zeigt:

Hab alle drei Tage im Netz per Blogosphäre verfolgt, und durch die verschiedenen Berichte, Fotos und Sichtweisen ein tolles, dreidimensionales Bild bekommen. Eine tolle Erfahrung. War fast wie dabei sein, irgendwie.

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2 Antworten auf re:publica (3)

  1. Tim sagt:

    Es war der “poor tail” da. Blogger, die in web2.0 eine der wenigen Chancen sehen, ihr persönliches materielles Leben zu verbessern bzw. Chancen für ihr berufliches Fortkommen.

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