BMBF-Förderung für Web 2.0?

Diesen (längeren) Blogeintrag schreibe ich im ICE von Bonn in Richtung Bamberg; heute war einer dieser Tage, an denen ich für drei Stunden Meeting insgesamt neun Stunden im Zug gesessen haben werde.. :-)

Aber es hat sich gelohnt: Am Nachmittag fand im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Gesprächsrunde zum Themenbereich “Web 2.0″ und Bildung statt. Bereits Mitte März hatte eine Expertenkommission “Bildung mit neuen Medien” einen Bericht vorgelegt, der hier als .pdf zum Download bereit steht. Unter dem Titel “Web 2.0: Strategievorschläge zur Stärkung von Bildung und Innovation in Deutschland” werden dort Überlegungen vorgestellt, die letztlich in konkrete Fördermaßnahmen münden sollen (wobei es von Seiten des BMBF über den finanziellen Umfang und den Zeitpunkt einer möglichen Ausschreibung noch nichts Konkretes zu sagen gab – Herbst 2007 stand am Ende im Raum).

Ausgangspunkt ist die (an sich durchaus bestreitbare, s.u.) These: “Deutschland braucht eigene wettbewerbsfähige Web 2.0-Anwendungen”. Darunter werden in einem weiten Sinne Innovationen in Technologie/Infrastruktur und Dienste verstanden, um existierende oder neu entstehende Communities zu unterstützen. Da es sich um Maßnahmen des BMBFs handelt, steht der Austausch von Wissen bzw. zur Fortentwicklung der Wissensgesellschaft im Mittelpunkt – eine Yu-Gi-Oh-Community könnte es also schwer haben.. :)
Wie kann aber dieses Ziel erreicht bzw. gefördert werden? Die Expertenkommission schlägt dazu drei Stoßrichtungen vor:
- Eher grundsätzlich orientierte, aber Wissenschaft und Praxis verbindende Forschung,
- Ideenwettbewerbe, um die Entwicklung von innovativen Anwendungen zu fördern sowie
- Qualifizierungsmaßnahmen, die Web 2.0 sowohl als Gegenstand aber auch als Mittel berühren könnten.

In der Diskussion, die an das Impulsreferat von Vertretern der Expertenkommission anschloß, kamen eine ganze Reihe von sehr interessanten Anmerkungen zur Sprache; ich gehe mal auf ein paar Punkte ein, die mich dabei beschäftigten:

1) Zunächst zur Ausgangsthese “Deutschland braucht eigene wettbewerbsfähige Web 2.0-Anwendungen”. Aus Sicht eines Bundesministeriums ist diese Forderung wohl notwendig, aber aus Sicht der (potenziellen) Nutzer/innen ist die Herkunft einer Anwendung möglicherweise eher zweitrangig. Entscheidend ist meines Erachtens vielmehr, ob ich auf einer Plattform diejenigen Inhalte und/oder Personen finde, die meinen Nutzungsbedürfnissen entsprechen. Das kann sicherlich dadurch erleichtert werden, dass im Zuge des “Roll-Out” einer Anwendung die kritische Masse an Nutzern und Inhalten zunächst in Deutschland oder im deutschsprachigen Raum gebildet wird und ich aufgrund von Netzwerkeffekten einen hohen Anreiz habe, genau diesen anstelle eines ausländischen Dienstes zu nutzen – doch zwingend ist das nicht. Ich musste unter anderem an das Beispiel “twoday.net” denken, dessen Entwickler in Wien sitzen, oder an eine Plattform wie das amerikanische Facebook; auch hier finde ich inzwischen zahlreiche deutsche Nutzer, die sich zunächst wohl aus dem Kreis von Auslandsstudierenden rekrutierten, nach der Öffnung der Registrierung inzwischen aber augenscheinlich auch andere Personen anzieht, die dort ihre beruflichen oder persönlichen Netzwerke abbilden, aber nie auf studiVZ gehen würden.

2) Eine weitere grundlegende Frage: Ist staatlich geförderte Innovation im Bereich des Web 2.0 überhaupt möglich und/oder sinnvoll? Mir sind bislang keine umfangreichen und systematischen sozialwissenschaftlichen Studien zu Software-Entwicklung im Web 2.0 bekannt [ich hoffe ja, dass Wolfgang Zeglovits seine Dissertation demnächst noch fertigstellt.. :-) ], aber mein Eindruck ist, dass diese auf zwei Fundamenten beruht:

a) Im Hinblick auf die sozialen Bedingungen bzw. die soziale Organisation von Innovation finde ich die lockere Verknüpfung einer Vielzahl von Personen mit unterschiedlichen Hintergründen und Kompetenzen bemerkenswert. Diese drückt sich einerseits in der wachsenden Zahl von Barcamps, Webmontagen und anderen Zusammenkünften aus, die den Austausch und wechselseitige Inspiration fördern. Andererseits beruhen Anwendungen des Web 2.0 zu einem erheblichen Teil darauf, dass die Nutzergemeinschaft an der der Weiterentwicklung beteiligt ist: Durch das Bereitstellen von Inhalten; durch explizites oder implizites Feedback an die Entwickler, welche Funktionen gewünscht sind bzw. was funktioniert und was nicht; und schließlich durch eigene Leistungen, bspw. in Form von Templates und Plugins für WordPress. Bei letzterem Punkt wird deutlich, dass die Grenzen zwischen Nutzern und Entwicklern in gewisser Weise verschwimmen – ein Teil des Trends hin zur “produsage” als prägende Sozialform des Social Web. Eine staatliche Förderung müsste diese Form der Innovationsorganisation zumindest anerkennen, wenn nicht sogar die Instrumente direkt darauf ausrichten. Nur wie könnte das dann aussehen? BMBF-gesponsorte Barcamps? Mikro-Förderung für jeden Beitrag im WordPress-Wiki? Eine Schavan-Lounge bei der nächsten re:publica?

b) Die Förderung “wettbewerbsfähiger” Innovationen wird zudem durch die inzwischen auch in Deutschland wohl wieder steigende Zahl von Risikokapitalgebern [Vermutung meinerseits - hat da jemand zufällig konkrete Daten?] geleistet. Hier könnte man also argumentieren, dass staatliche Förderung nicht unbedingt nötig wäre, weil das ja inzwischen vom Markt geregelt wird, der unter Umständen deutlich schneller und flexibler auf innovative Ideen reagieren kann. Andererseits hat Stefan Kühl [1] für die Zeit der New Economy gezeigt, dass sich um die Jahrtausendwende im Wechselspiel zwischen Risikokapitalgebern, -nehmern und populären “ökonomischen Mythen” (wie “Das Internet revolutioniert alle Märkte” oder “First Mover Advantage”) eine gewisse institutionelle Stabilität und Legitimität herausbildete, die eben nicht den tatsächlichen operativen Gewinn, sondern vielmehr nur das Versprechen eines möglichen zukünftigen Gewinns belohnte. Ich kann nicht wirklich beurteilen, ob diese Konstellation heute wieder in gleicher Weise besteht, aber zumindest manche Diskurse rund um das Web 2.0 erinnern ja deutlich an die Zeit vor etwa zehn Jahren: Alles wird revolutioniert!

Was ich damit sagen will: Möglicherweise besteht trotz der sich ausbildenden Risikokapitalszene ein Bedarf an alternativer Förderung, die nicht die kommerzielle Verwertbarkeit einer Anwendung in das Zentrum stellt (bzw. belohnt, dass man nur geschickt den Eindruck vermittelt, eine Anwendung könnte möglicherweise einmal viel Geld abwerfen). Gerade im Bildungs-, vielleicht ganz allgemein im Non-Profit-Bereich sind diese Forderungen wohl auch nur schwer zu erfüllen, obwohl sich hier einiges an gesellschaftlichem Nutzen stiften ließe.

3)Und schließlich noch etwas zum übergreifenden Ziel der möglichen Förderlinie(n), der Fortentwicklung der Wissensgesellschaft: Ich halte es für eine sehr wichtige Aufgabe, die Internet-Nutzer über die Potenziale und Grenzen des Web 2.0 zu informieren, insbesondere im Bereich von Datenschutz/Privatsphäre. Hier müsste neben der Aufklärung über die Persistenz und Zugänglichkeit von online veröffentlichten Daten (also die typischen “Warn-Szenarien) aber auch auf jeden Fall eine Aufklärung im Sinne von “Ermündigung” (sagt man so?) erfolgen. Diese sieht den Nutzer als Bürger mit Freiheitsrechten (Recht auf informationelle Selbstbestimmung, etc.) an, und nicht als bloßes Objekt staatlicher Kontroll- und Datensammelversuche. Stasi 2.0 läßt grüßen – wenn da nicht mal Konflikte zwischen dem BMBF und Schäubles Innenministerium vorprogrammiert sind.

Damit zusammenhängend wäre auch darüber nachzudenken, ob bzw. wie der Wissensbegriff zu verstehen ist. Ich weiß nicht, inwieweit die Systematisierung von Tina Guenther und mir zu “Wissenstypen im Web 2.0″ dazu bereits ausreicht; ich habe heute in der Diskussion auf jeden Fall darauf hingewiesen, dass eine Form des Wissenserwerbs und -schaffens im “Remixing” besteht; in Bezug auf den Wissenstyp “Code” denke ich dabei an Dinge wie mash-ups, die zwei unterschiedliche Dienste oder Datenquellen zu etwas neuem Zusammenfügen. Im Bereich von “Content” geht es um das Aufgreifen, Zitieren, Verwenden und Neu-Kombinieren von bestehenden kulturellen Artefakten – kreative Prozesse, die sehr oft spielerisch ablaufen, aber vielleicht gerade dadurch deutlich besser für das Erlernen von Kompetenzen (mithin für Bildung) geeignet sind als formale Lernszenarien.

So, genug erstmal – ich habe Herrn Vogel vom BMBF versprochen, dass ich ihn auf diesen Eintrag hinweise, wenn es Kommentare, Anregungen und Widersprüche aus meiner Leserschaft gibt. Also eine 1a-Gelegenheit, Förderpolitik zu beeinflussen: Wie ist Eure Meinung?

[1]; Kühl, Stefan (2003): New Economy, Risikokapital und die Mythen des Internet. In: Berliner Journal für Soziologie, 1, 2003. S. 77-96.

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19 Antworten auf BMBF-Förderung für Web 2.0?

  1. Torsten sagt:

    Ich glaube die Ausgangsthese ist nicht aus Anwender- sonder aus Anbietersicht zu verstehen. Die Bundesregierung möchte, dass nicht nur US-Unternehmen an Web 2.0 verdienen.

    Zudem hat die staatliche Förderung von Web 2.0 schon angefangen – das Verbracherministerium sponsert ein Wikipedia-Projekt. Dass das BMBF Barcamps finanziert erscheint mir etwas abwegig, jedenfalls nicht zielführend. Die Bunderegierung hat viel eher ein Interesse daran die schnellebigen Innovationen zu verfestigen. So wären staatliche geförderte Datenschutzsiegel denkbar oder die Schaffung von neuen Berufsbildern wie Communitymanagern.

  2. Torsten sagt:

    PS: Eine staatliche Domäne ist die Schulausbildung. Unterrichtsinhalte zu Web 2.0-Themen wie Datenschutz und Medienkompetenz-Förderung wäre IMHO extrem wünschenswert.

  3. Markus sagt:

    Die Schavan-Lounge nehmen wir dann mal für die re:publica. Das wird aber nicht billig wegen CDU-Aufschlag.

  4. Tina sagt:

    Jan: Unsere Systematisierung zu Wissenstypen im neuen Netz oder sozialen Netz ist ja nicht dazu konzipiert, “auszureichen”, sondern eher dazu, eine weiterreichende, tiefergehende Forschung zu Content, Code und Metadaten, ihrer fortschreitenden und immer variantenreicheren Verflechtung im neuen Netz anzuregen. Eine kleine Einführung bezogen auf Web 2.0 für wissenschaftliche Verwendungszwecke hatte ich im März mal erstellt und hier in weiter entwickelter Form publiziert (pdf). Ich hoffe, Jan ist nicht uneinverstanden, wenn wir die Gelegeheit zu seinem schönen Post nutzen, um nach mehr aktueller Forschung zu Content, Code und Metadaten zu fragen, besonders nach sozialwissenschaftlicher (wissens-/ technik- /orgsoz-/wisoz-)Forschung über Software.

  5. Jan Schmidt sagt:

    Ich bin nicht uneinverstanden.. :)

  6. Tina sagt:

    ach ja, Du hattest ja nach der Förderpolitik gefragt: natürlich gibt es schon jede Menge Preise, aber wenn das BMBF mal ein wissenschaftliches Forschungsprojekt, besonders jedoch eine universitäre Lehrveranstaltung dafür auszeichnen würde, dass Web 2.0 vom Dozenten und Teilnehmern besonders kreativ und ertragreich wurde – quasi als ministerialer Ritterschlag – dann wäre das auch ein wertvolles Upgrade für die Lehre und knüpft an die Diskussion an, die Steffen, Daniel und ich hier, hier und hier geführt haben.

  7. Alex sagt:

    Hallo Jan, ich finde den Post absolut spannend, nur bisl lang. ;-) Trotzdem danke für die interessanten Einblicke.
    Nachdem es ja auch um finanzielle / wirtschaftliche Förderung erlaube ich mir mal ein wenig BWL-lastig zu argumentieren und ich will eigentlich nur auf die eine These eingehen:

    >”Deutschland braucht eigene wettbewerbsfähige Web 2.0-Anwendungen”
    Wir brauchen weder eigene Technologien noch Dienste. Es steht auch nicht zu befürchten, dass nur “US-Unternehmen am Web 2.0 verdienen”. Viele Dienste sind viel zu speziell als, dass ein amerikanischer Anbieter einen dt. verdrängen könnte. Und was die Unis angeht: Ich kenne keine Uni die nicht dabei ist Web 2.0 einzusetzen oder sich zumindest dazu Gedanken macht. Und denen ist völlig wurscht ob es sich um es sich um Open-Source-Produkte (oder auch Nutzungskonzepte) aus Deutschland oder den USA handelt (und das kann man ja oft eh nicht klar trennen).
    Bzgl. Web 2.0 hat Deutschland ein ganz anderes Problem, ein typisch deutsches: Wir sind die Könige darin Probleme zu suchen und zu finden. Bevor ein dt. Unternehmen einmal auf die Idee kommen würde Web 2.0 einzusetzen, muss erst hundertmal diskutiert werden. „Warum denn auf einmal? Wir haben das doch immer schon so gemacht… Das bringt doch nur Probleme. Die sollen lieber arbeiten.“ Nur unsere Freunde aus Frankreich sind deswegen auch noch weiter hinten was Web 2.0 angeht.
    Deswegen wäre es imho (auch) Job des BMBF deutsche Forscher darin zu unterstützen Nutzungskonzepte zu entwickeln wie man den deutschen Unternehmen vermitteln kann was ihnen das Web 2.0 bringt.
    Den deutschen Studenten braucht man nicht erklären warum das Web 2.0 toll ist. Dem deutschen Mittelstand (und auch oft den großen UN) schon. Und es steht zu befürchten, dass das auch noch länger so bleiben wird. Und d.h. viele Studenten dürfen sich berechtigte Sorgen um ihre Jobs (bzw. den „Wirtschaftsstandort Dtl.“) machen.
    Und wenn die Bundesregierung Studenten und Forscher an dt. Unis unterstützen will soll sie sich lieber mal Gedanken zur Urheberrechtsnovelle (Thema: „subito“) machen. Aber hier macht man eher noch was kaputt, anstatt die Lage zu verbessern.
    Die Überlegung beim BMBF ist m.E. gerade die Falsche. Wir sollten lieber von den Amis abschauen (Thema: Open Source Libraries) als jetzt hier unsere eigenen Brötchen zu backen. Studivz hat es (zwar mehr schlecht als recht, aber erfolgreich) vorgemacht. (Und überall müssen wir gar nicht abschauen. In manchen Punkten wird bei uns abgeschaut).

  8. Daniel sagt:

    Meine Frage (hab dein Posting etwas überflogen, daher erübrigt sich meine Frage vielleicht) in Bezug auf Web 2.0 und Bildung wäre: Geht es um Medienkompetenz oder Medieneinsatz? Das eine wären Bildungsinhalte, quasi Lehrpläne, die entwickelt und evaluiert werden müssten, das andere eben z.B. Software, die in Bildungseinrichtungen zum Einsatz kommt. Hier wiederum wäre ein Blick auf die USA zu werfen, die ja anscheinend unter dem Titel “Web 0.0″ Notebooks wieder aus dem Unterricht entfernen wollen.

    Auf einer anderen Ebene (Communities) wäre dann die Frage: Ist es ein Problem der Software oder der Nutzung? Es geht ja auch um “Deutschland braucht eigene wettbewerbsfähige Web 2.0-Anwendungen”. Da aber sowieso viele Web 2.0 Anwendungen Open Source Projekte sind, frage ich mich: wozu noch mehr Anwendungen aus deutschen Landen und für welchen Zweck? Es wäre wünschenswert, erst mal die Nutzungskompetenzen zu erhöhen, d.h. – im Beispiel der Diskussion bei Sozlog – Wissenschaftler an neue Technologien heranzuführen und zur intensiveren Nutzung zu bewegen, bevor man noch mehr Wiki/Blog/Foren-Systeme hat, die ungenutzt bleiben.

    So. Etwas gemischt die Themen, etwas konfus meine Antwort. Aber ich komme auch gerade erst von der Arbeit, das muss mildernd berücksichtigt werden. ;-)

  9. Sehr erfreulich, dass das BMBF in diese RIchtung denkt und gehen will. Für meinen Geschmack springt man zwar etwas spät auf den Zug auf, aber liebe rzu spät als gar nicht. Im Bereich Bildung und Forschung sehe ich ein paar Möglichkeiten, die aus meiner Sicht sehr wünschenswert, wenn nicht sogar zwingend notwendig wären.

    - Medienkompetenz (nicht nur Technikkompetenz ist damit gemeint) muss im gesamten Bildungssystem verankert werden, bei der Grundschulde angefangen. Web20-Dienste werden von jungen und ganz jungen User verwendet. Das Gespür für Datenschutz, Wahrung der eigenen Privatsphäre und der anderer ist noch nicht weit genug ausgebildet. Und Eltern sind meiner Erfahrung nach eh damit überfordert zu begreifen, was da im Netz aktuell apssiert und was ihre Kinder dort tun.

    - Einrichtung eines Komptenzzentrums Web2.0 in Form eines vernetzten Think Tanks aus WissenschaftlerInnen aller Fachbereiche, die sich mit Web2.0 beschäftigen und Unternehmen, die unter Einsatz von Social Software-Technik neue innovative Dienste entwickeln. Dabei kann es aber nicht darum gehen staatlich geförderte Twitterclones auf den Markt zu spülen – das dürfte klar sein.

    - gezielte Einrichtung von Professuren an Fachhochschulen und Professuren, die anwendungsbezogen Forschen und aktuelles Wissen an die Studierenden weitergeben, natürlich nach vorheriger fundierter KOntextualisierung des Gegenstandsbereichs Internet.

    Was Forschung betrifft: Verschlankung und Beschleunigung des Beantragens von Forschungsprojekten. Hier gehört Mut dazu, bestehende Förderpolitik, die in anderen Disziplinen sicherlich Sinn macht, auf den Kopf zu stellen. Gefördert werden müssen im Prinzip nicht Einzel- oder Gruppenanträge, sondern gefördert werden müssen Netzwerkeffekte. Zunächst eine abstrakte Größe, aber es macht meiner Ansicht nach mehr Sinn die Sache an und für sich zu fördern, als große Geldpakete an kleine Forschergemeinschaften auszuschütten, die erstmal im dunkle Kämmerlein foschen und am Ende ein oder zwei Publikationen ausschütten. Forschen als perpetual Beta, Forschen mit offenem Visier. Das würde Innovation schaffen… Bin ich fest von überzeugt. :-)

  10. Christian sagt:

    Bezüglich Förderungen: Da hat es in Baden Württemberg vor einiger Zeit einen Gründerwettbewerb gegeben. Vielleicht sollte man dort mal nachfragen, was dabei herausgekommen ist: http://www.internet2null.de/

  11. @Steffen Büffel: Du hast ganz sicher intensiv darüber nachgedacht, was es bedeuten würde, wenn Du Deinen Satz “Medienkompetenz (nicht nur Technikkompetenz ist damit gemeint) muss im gesamten Bildungssystem verankert werden, bei der Grundschulde angefangen.” in die Tat umsetzen solltest. Aber vielleicht kannst Du mir das nochmal genauer erklären, wie das Deiner Ansicht nach laufen sollte?

    Du schreibst:
    “Einrichtung eines Komptenzzentrums Web2.0 in Form eines vernetzten Think Tanks aus WissenschaftlerInnen aller Fachbereiche, die sich mit Web2.0 beschäftigen und Unternehmen, die unter Einsatz von Social Software-Technik neue innovative Dienste entwickeln.”

    Meinst Du im Ernst das das vom Konzept her hinhaut? Welche Motivation sollte ich haben, meine besten Ideen zu Web 2.0 in einem Pool von Leuten zum besten zu geben, nur weil der sich Kompetenzzentrum nennt? Warum sollte ich die Idee nicht für mich behalten, mir zwei, drei passende und begeisterte Mitstreiter suchen und selbst eine Web 2.0 Firma aufmachen?

    “Dabei kann es aber nicht darum gehen staatlich geförderte Twitterclones auf den Markt zu spülen – das dürfte klar sein.”

    Ich finde Du machst es Dir ein wenig einfach. Ist natürlich leicht zu sagen, was NICHT passieren soll. Aber die Frage ist ja, WAS soll passieren, oder? Ich würde ja gerne mal ein paar Vorschläge hören zu dem Themenkomplex, welche Web 2.0 Anwendungen uns denn momentan genau fehlen, und warum die nur mit Forschungsförderung aus der Taufe zu heben sind.

    Nicht persönlich nehmen, aber bei diesem Thema macht es mir durchaus gewisse Freude, die Diskussion durch ein paar gezielte und auch manchmal etwas spitz formulierte Fragen mal ein klein wenig aufzuwirbeln.

    Bin auf Antworten gespannt,
    Gruss, Helge

  12. lore sagt:

    bis ein solches Förderprogramm anläuft, ist der Inhalt schnee von gestern.
    Die Schawan sollte mit dem Geld (und der Zeit) sich lieber überlegen, wie die deutschen Lehrer für PC, Internet und dann web2.0 fit gemacht werden können.

  13. Gabi Reinmann sagt:

    Leider glaube ich nicht, dass in der Politik viele verstehen, was wir übehaupt meinen bzw. worauf es uns ankommt. Was über das diskutierte Papier nun verbreitet wird, ist sicher nicht falsch, aber hätte ich es allein geschrieben bzw. hätten es vor allem Pädagogen und Psychologen geschrieben (wir waren nicht viele aus dieser Richtung), würde wohl an etlichen Stellen schon auch was anderes drinstehen. Aber wie gesagt: Das Hauptproblem sehe ich darin, dass vor allem Entscheider in unserer Gesellschaft große Mühe haben (oder keine Zeit, Lust oder Chance haben, sich diese Mühe zu geben), zu verstehen, worüber wir uns Gedanken machen. Insofern ist die ganze Initiative dann doch wieder begrüßenswert, denn sie zumindest eine kleine Chance dar, über neue Entwicklungen im Bereich Information, Kommunikation, Partzipation, Wissen, Bildung und dann vor mir aus auch Innovation (vor allem in der Bildung!) nachzudenken.

    Gabi

  14. Christioph sagt:

    Mir kommt es vor, als ob die Ministerien und viele andere Player auf einmal aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Das Thema Web 2.0 interessiert – und es wird sogar Geld dafür ausgegeben, diese “Kulturtechnik” zu erfassen. Ich stimme Dir absolut zu, dass einer der wichtigsten Bereich die freizügige Datenweggabe ist. Aus meiuner Perspektive sind es gerade die Leute, die bis vor kurzem noch superdateschutzkritisch waren, die keine registrierungspflichtige neue Anwendung auslassen, weil sie zu den technologischen First Movern gehören wollen. Mein Eindruck ist, dass das BMBF und das BMI da durchaus an einem Strang ziehen könnten, wenn sie sich zusammentäten. Sollen wir dafür eine Lanze brechen? politik-digital.de wäre dabei!

  15. Dorothea sagt:

    Hallo Jan,
    das heutige Interview in der SZ mit Hubert Burda “Ein Doktortitel muss wie ein Adelstitel sein” ist sehr aufschlussreich, weil er u.a. sehr richtig Folgendes zur Internetkompetenz an deutschen Unis, im speziellen an der LMU anmerkt:
    ” Das Bewusstsein für die digitale Revolution ist viel zu wenig verbreitet. Ich kenne Münchner Institute, in denen steht der PC immer noch im Keller, und die Studenten verschicken darauf E-Mails, statt mit dem Computer zu arbeiten. Das Lernen ist in Deutschland immer noch stark auf Abfragen und Repetieren ausgelegt. Nutze ich den Computer, kann ich mich weltweit vernetzen und selbst kreativ sein. Wir brauchen heute nicht mehr büffeln und büffeln.”
    Link:http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/788/123614/
    Herzlichen Gruss aus München,
    Dorothea

    Unser Seminarblog – wen es interessiert – kann man hier fiinden:
    http://www.lmuweb20.wordpress.com

  16. Also ich finde es gut aber leider auch schon sehr spät, dass das BMBF die Initiative zur Förderung von “Maßnahmen zum Austausch von Wissen bzw. zur Fortentwicklung der Wissensgesellschaft” im Kontext Web 2.0 ergreift.
    Gerade dieser Bereich lässt sich trotz der möglicherweise flexibleren und schnelleren Reaktion auf innovative Ideen durch die Wirtschaft (wie es ganz oben in b) beschrieben ist) nicht so leicht mit Risikokapital fördern.
    Wo es darum geht Wissen öffentlich anzusammeln, ist es schwer Umsätze zu generieren und wirtschaftlich zu expandieren. Ja, ein schönes Gegenbeispiel ist die Wikipedia, aber die hatten es auch nicht leicht. Das ‘Gut’ Wissen kann man nicht verkaufen, wenn man eine Wissensgesellschaft aufbauen will. Das Wissen muss dafür öffentlich und frei sein. Wie soll man dann Umsätze generieren, wenn man keine Werbung schalten will um die Lernenden vom Lernen abzuhalten? Ok, man kann die Software z.B. an Unternehmen/Universitäten (haben eh nie Geld) oder anderen Bildungseinrichtungen mit abgeschlossenen Communities verkaufen, was aber auch nicht unbedingt im öffentlichen-Sinne oder im Sinne einer Wissensgesellschaft ist.
    Das Statement(wie es ganz oben in b) trifft imho genau zu:

    “Was ich damit sagen will: Möglicherweise besteht trotz der sich ausbildenden Risikokapitalszene ein Bedarf an alternativer Förderung, die nicht die kommerzielle Verwertbarkeit einer Anwendung in das Zentrum stellt (bzw. belohnt, dass man nur geschickt den Eindruck vermittelt, eine Anwendung könnte möglicherweise einmal viel Geld abwerfen). Gerade im Bildungs-, vielleicht ganz allgemein im Non-Profit-Bereich sind diese Forderungen wohl auch nur schwer zu erfüllen, obwohl sich hier einiges an gesellschaftlichem Nutzen stiften ließe.”

    Ich find’s Klasse, dass derartige Projekte gezielter gefördert werden sollen, zumal dann auch mal was großes dabei rumkommt, und nicht 30 Projekte mit (@ Helge ) 2-3 Mitstreiter ewig rumtümpeln. Desweiteren sollte das Ganze auch eine internationale Ausrichtung haben.

  17. Mal ins Blaue gedacht: ein Problem mit Web 2.0, das vermutlich nicht kommerziell gelöst werden wird, ist die Tatsache, dass dabei Communities eine Art Ware werden (anlässlich einiger Änderungen in der Geschäftspolitik von Flickr habe ich dazu mal was bei Telepolis geschrieben. Wenn der Staat also Lust hat, (deutsches) Web 2.0 zu fördern, fände ich sowas wie “öffentliche Räume und Standards im Web 2.0″ eine großartige Förderidee. Der wirtschaftspolitische Kniff dabei ist, dass eine solche öffentlich geförderte Struktur dann einen Rahmen bilden kann, in dem KMUs und OpenSource-EntwicklerInnen Projekte einbinden können. Mit nationalem Vorsprung und potenziell internationaler Tragweite. Also sowas wie Web 2.1.

  18. Jan Schmidt sagt:

    Wow, ganz herzlichen Dank schon mal für die vielen Anregungen. Wegen massivem Prüfungsstress komme ich zur Zeit nicht zu ausführlichen Antworten; das ist vielleicht auch gar nicht nötig – ich habe aber heute Herrn Vogel vom BMBF auf diesen Beitrag hingewiesen, damit die Ideen in den weiteren Entscheidungsprozess einfließen können.

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