Netzwerk-Visualisierung bei Facebook

Seit zwei Wochen spiele ich etwas mehr mit Facebook herum – und bin sehr angetan von der Plattform. Vor knapp zwei Monaten haben die Betreiber Details einer API veröffentlicht, über die externe Anbindungen eingebunden werden können, was zu einer beispiellosen Dynamik bei der Weiterentwicklung von neuen Funktionen geführt hat. Facebook listet derzeit etwa 2250 solcherAnwendungen auf, deren populärsten inzwischen mehrere Millionen Nutzer gefunden haben (bei appholic findet man jede Menge Statistiken dazu). Das Besondere: Facebook stellt den einzelnen externen Applikationen eine sehr interessante soziotechnische Umgebung zur Verfügung, um die virale Verbreitung dieser Code-Bausteine zu fördern. Man kann hier sehr schön mit den praxistheoretischen Begriffen meines Modells arbeiten: Für den einzelnen Nutzer erhöhen die Applikationen die Optionen für Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement, beispielsweise indem sich Videos, die eigenen del.icio.us-Bookmarks oder zusätzliche “poke”-Varianten einbauen lassen. Da ich an vielen verschiedenen Stellen der Plattform sehe, welche Applikationen meine Freunde einsetzen – auf deren Profilseiten, im News Feed auf der Startseite oder bei der Suche im gesamten Verzeichnis (siehe Abbildung) – werde ich auch ohne gezielte Recherche auf neue Tools aufmerksam (überhaupt ist Facebook sehr gut darin, Aktivitäten meiner Kontakte sichtbar zu machen, was das Gefühl der “Lebendigkeit” erhöht).

 

Sichtbarkeit erzeugen

Zudem bieten alle Applikationen, die ich bisher getestet habe, die Möglichkeit an, eine Empfehlung an meine Kontakte zu senden, also zur Verbreitung in meinem Netzwerk beizutragen. Einige Anwendungen machen sich diese Viralität auf besondere Weise zu Nutze – so z.B. “Pirates vs. Ninjas”, bei dem Anhänger der beiden Lager versuchen, weitere Leute auf die eigene Seite zu ziehen (hier kann man sich von mir als Pirat rekrutieren lassen.. :) ), die wiederum ihre Kontakte ansprechen, etc..

Besonders faszinierend finde ich Applikationen, die speziell der Visualisierung der eigenen Kontakte dienen; sie füllen eine Lücke, die m.E. viele bisherige Networking-Plattformen aufweisen: Kontakte werden in der Regel einfach nur aufgelistet, ohne die Struktur des eigenen Netzwerks auch nur ansatzweise wieder zu geben. Klar, Xing, studiVZ und andere bieten die Option, Verbindungsschritte zwischen mir und beliebigen anderen Nutzern zu zeigen, was aber letztlich nur Pfade durch ein Netzwerk anzeigt, nicht das tatsächliche Geflecht. Was ist aber, wenn ich z.B. wissen will, wer von meinen Kontakten sich kennt? Oder ob ich Teil unterschiedlicher Cluster bin, also von Gruppen von Kontakten, die untereinander verbunden sind, aber keine Kontakte zum anderen Cluster haben? [In der Netzwerktheorie gilt eine solche Position im Netzwerk übrigens als Anzeichen für Sozialkapital, schließlich kann ich als "Makler" davon profitieren, zwischen zwei oder mehr unverbundenen Clustern zu vermitteln bzw. "structural holes" zu füllen.]

Man kann solche Merkmale des eigenen Netzwerks mit netzwerkanalytischen Kennzahlen (von der Dichte bis zur Eigenvektor Zentralität) ausdrücken, die aber für 99,9 Prozent der Nutzer unverständlich wären. Viel anschaulicher sind grafische Repräsentationen, wie sie zum Beispiel “friend wheel” und “Touchgraph Photos” bieten. Friend wheel ordnet meine Kontakte kreisförmig an und zeichnet die Querverbindungen ein. Man kann jede Menge Optionen nutzen, um die Darstellung zu beeinflussen. Hier z.B. sind meine Kontakte in alphabetischer Reihenfolge (nach dem Vornamen) angeordnet.

Interessanter ist jedoch die Darstellung, bei der diejenigen Personen näher zueinander positioniert werden, die auch untereinander verbunden sind. In meinem Fall kann ich also sehen, dass ein Teil meiner Kontakte sehr stark untereinander vernetzt ist (der Bereich zwischen 16 und 22 Uhr), während einige Personen gar keine Verbindungen zu anderen meiner Kontakte haben.

 

Es gibt das Friend Wheel auch in einer “interaktiven” Variante, d.h. man kann dann die Position der einzelnen Knoten verschieben, was mich sehr an das Spiel Planarity erinnert hat (Vorsicht Suchtgefahr..). Ausserdem kann man einzelne Teile oder Kontakte des eigenen Netzwerks gezielt auswählen, um nur Teilbereiche zu visualisieren – was sehr hilfreich sein dürfte, wenn man so viele Kontakte hat wie folgende Person (ich verrat nicht, wer es ist.. :) ):

Noch ein weiteres Beispiel: Ragnar Heil hat mir freundlicherweise erlaubt, sein friend wheel zu bloggen – hier finden wir ein interessantes Muster, da es drei kleinere Cluster von miteinander verbundenen Personen gibt, aber eine große Anzahl von Kontakten, die untereinander nicht verbunden sind (wobei ich mir nicht sicher bin, ob er die Darstellung angepasst hat oder ob es sich um die default-Einstellung handelt).

Eine andere Art der Visualisierung bietet der Touchgraph Browser, der zusätzlich Fotos einbindet. Auch hier gibt es jede Menge Optionen, um die Darstellung zu verändern, zudem kann man auch hier in das Netzwerk “reingreifen” und Knoten verschieben, wobei sich in Echtzeit auch die verbundenen Knoten bewegen. Besonders gut finde ich, dass Cluster des eigenen Netzwerks durch unterschiedliche Farben markiert werden. Unten habe ich einen solchen Cluster mal zusätzlich markiert – die eingerahmten Personen sind Teil eines eher akademischen Netzwerks von Kollegen, Hard Blogging Scientists [hier übrigens die einschlägige Facebook-Gruppe] und studentischen Mitarbeitern, während der untere Teil eher ein “Business-Netzwerk” darstellt.

 

 

Mir war es vorher nicht ganz bewusst, aber durch diese Beispiele aus Facebook ist mir klar geworden, wie reduziert bislang die Darstellung von Netzwerken auf den einschlägigen Plattformen ist. Ich vermute, dass in Zukunft auch andere SNS-Anbieter solche Visualisierungsmöglichkeiten implementieren werden, die einerseits den Spieltrieb wecken, andererseits aber auch Aufschlüsse über die Art der eigenen Kontakte bieten, die dem Nutzer bislang verborgen bleiben.

Dieser Beitrag wurde unter Das neue Netz, Networking-Projekt, Softwareentwicklung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Netzwerk-Visualisierung bei Facebook

  1. Pingback: till we *) . Blog

  2. Tina sagt:

    So findet man sein eigenes Konterfei in der Netzwerkvisualisierung wieder ;-) , ich finde Facebook mit seiner Vielgestaltigkeit von Applikationen und API-Einbindungen spannend und kann mir vorstellen, vieles damit zu machen; interessant auch, wer welche Applikationen einbaut.

  3. Pingback: viralmythen