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Das ist doch mal ein schöner Wochenanfang: Heute lag in meinem Uni-Postfach ein Belegexemplar des Tagungsbands zur DGPuK-Fachgruppentagung “Computervermittelte Kommunikation als Innovation” vom letzten November. Darin sind 19 Beiträge zu finden, die sich mit sehr unterschiedlichen Aspekten der computervermittelten Kommunikation auseinandersetze. Auf den Seiten des VS-Verlags ist das Inhaltsverzeichnis als .pdf abrufbar, ebenso wie das Vorwort - ein launiger Rückblick auf zehn Jahre Fachgruppe “Computervermittelte Kommunikation”, den Gerhard Vowe beim get-together gehalten hatte.
Ich habe für Tagung und Tagungsband einige Ergebnisse der “Wie ich blogge?!”-Nachbefragung beigesteuert:
Schmidt, Jan (2007): Stabilität und Wandel von Weblog-Praktiken. Erste empirische Befunde. In: Kimpeler, Simone / Mangold, Michael / Schweiger, Wolfgang (Hrsg): Die digitale Herausforderung. Zehn Jahre Forschung zur computervermittelten Kommunikation. Wiesbaden: VS Verlag. S. 51-60.
Es lohnt sich wirklich im US-Wahlkampf genauer hinzusehen. Dort fällt auf, dass der von den mainstream-medien als “underdog” titulierte Kandidat der Republikaner Ron Paul eine enorm aktive Web-Community hinter sich hat, die immer wieder für Schlagzeilen sorgt und als “Korrektiv” zu der massenmedialen Ignoranz fungiert. Ron Paul ist nicht gerade der Lieblingskandidat des medial-gouvernmentalen Komplexes und des Establishments in den USA, da er als Radikalliberaler ebenso gegen den Irak-Krieg als auch gegen den Patriot Act und dessen Adaption auf die Online- und Telekommunikationssphäre votiert hat. Er steht konsequenterweise auch für “sound money” und für die Restitution des 1971 vollständig abgeschafften Goldstandards. Dass er einen Teil seiner Bezüge als Abgeordneter des Abgeordnetenhauses wieder an die Steuerzahler rücküberweist, und in seinem politischen wie privaten Leben eine lupenrein weiße Weste vorzuweisen hat, muss selbst die große NY Times ihn als “Mann mit Prinzipien” bezeichnen. Während andere Kandidaten der Parteien mit Millionen-Dollar-Budgets und eigenem Kader eine Cross-Media Kampagne führen, kann sich Ron Paul auf seine treue Web 2.0 Community mittleweile auf der ganzen Welt verlassen. Die sorgen dafür dass sich selbst große Sender wie CNN oder NBC blamieren, weil sie nicht mit so aktiven Nutzern rechnen, die für ihren Kandidaten bei Online-Umfragen die Werbetrommel rühren und alles geben, dass seine Botschaft unverfälscht von Amerika gehört werden kann. Die Bewegung, die mittlerweile international aufgestellt ist, kann ohne Zweifel als proaktiv und grassroot-orientiert bezeichnet werden.
Hier und jetzt läuft in den Vereinigten Staaten die “Ron Paul Revolution” ab, sie könnte zur ersten politischen Revolution, die sich der Sprachrohre des Web 2.0 bedient, in der Geschichte werden. Gerade hier lässt sich die entschränkende, partizipatorische Wirkungsweise der neuen Kommunikationsmedien wissenschaftlich erarbeiten.
Viele Grüße nach Bamberg